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Hass-Mails: Griechen am Pranger

Die griechische Botschaft in Berlin hat neuerdings viel Kontakt zur Öffentlichkeit: Sie bekommt Hass-Mails nach der aggressiven Berichterstattung über das Land in Finanznot. Von Franziska Schubert

Die Finanznot der Griechen sorgt für Aufruhr - national, wie international.
Die Finanznot der Griechen sorgt für Aufruhr - national, wie international.
Foto: dpa

Seitdem Griechenland in Finanznot geraten ist, erreichen die griechische Botschaft in Berlin etliche beleidigende E-Mails. "Abzocker" oder "Raus aus der EU" etwa steht darin. Viele Absender reagieren nach Botschaftsangaben direkt auf die aggressive Berichterstattung der Boulevard-Presse und anderer Magazine, die Stimmung gegen die griechischen "Betrüger" machen.

Mehrere hundert Mails sind bei der Botschaft bislang eingegangen. "Die meisten Bürger sind aber bloß verunsichert", betont der Pressesprecher der Botschaft, Pantelis Pantelouris. "In den Antworten machen wir klar, dass nicht der deutsche Steuerzahler für die Fehlentwicklungen in Griechenland bezahlen muss."

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Ob das hilft, wenn Deutschlands größtes Boulevard-Blatt - die Bild-Zeitung - titelt "Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxus-Renten?", bleibt fraglich. In einer anderen Ausgabe zeigt das Blatt die "Pleite-Griechen" feiernd in Athens Partyviertel. Fazit der Bild: "von Krise keine Spur".

In den Diffamierungs-Chor reiht sich auch Stern-Autor Walter Wüllenweber mit seinem Beschwerdebrief an Griechenland ein: "Liebe Griechen", schreibt er, Ihr "seid offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafür Schmiergeld bekommt." Viele Artikel, kritisiert Pantelouris, "erwecken den Eindruck, die Griechen arbeiten nicht und geben Geld aus, das die Deutschen an sie zahlen".

Das griechische Debakel mit dem Euro

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"Höhepunkt der Tiraden"

Dabei unternehme Griechenland derzeit viele Anstrengungen, um zu sparen, betont er. Anstelle fünf pensionierter Beamter werde nur noch ein neuer eingestellt. Und "dass Griechen mit 53 in Rente gehen, ist eine Ausnahme."

Witze über Griechen haben dennoch Konjunktur - auch im Radio oder Fernsehen. "Bifteki, Souflaki, Hypoteki" heißt einer der Scherze. Mit dem Hinweis, die Griechen hätten den "Analverkehr" erfunden, beginnt in der Harald-Schmidt-Show etwa ein Vortrag über den Aufstieg der griechischen Kultur. Dabei zeigt eine Assistentin die obszöne Darstellung auf einer vermeintlich antiken Vase. Häme und Herabsetzungen dieser Art "machen hierzulande viele Griechen traurig", sagt Antonius Beys vom Verband Griechischer Gemeinden. Sogar griechischstämmige Kinder würden von ihren Mitschülern gehänselt, weil Griechen infolge inkriminierender Berichte hierzulande auf der "Werteskala der nach unten" gerutscht seien.

Die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung hat sich bereits beim Deutschen Presserat über die unsachliche Berichterstattung beschwert. "Höhepunkt dieser Hasstiraden und dieser Hetze", heißt es in dem Schreiben, sei die Focus-Ausgabe 08/10 samt Kommentar von Michael Klonovsky. Das Titelbild ziert eine Fotomontage der Venus von Milo, die die Hand zum Stinkefinger geformt. Daneben die Schlagzeile: "Betrüger in der Euro-Familie". Das sei eine plakative, aber zulässige Meinungsäußerung, betont jedoch Arno Weyand vom Presserat. "Denn grundsätzlich seien eben nicht alle griechischen Bürger gemeint, sondern nur die Verantwortlichen."

Autor:  Franziska Schubert
Datum:  27 | 4 | 2010
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