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Heide Simonis: "Ich glaube, Männer hassen uns"

Das Abstimmungsdrama bei der Wahl der CDU-Politikerin Christine Lieberknecht zur Ministerpräsidentin Thüringens hat sie getroffen: Schleswig-Holsteins Ex-Regierungschefin Heide Simonis (SPD).

Heide Simonis scheiterte 2005 im Kieler Landtag.
Heide Simonis scheiterte 2005 im Kieler Landtag.
Foto: dpa

Kiel. Das Abstimmungsdrama bei der Wahl der CDU-Politikerin Christine Lieberknecht zur Ministerpräsidentin Thüringens hat eine Frau besonders getroffen: Schleswig-Holsteins Ex-Regierungschefin Heide Simonis (SPD). Sie war am 17. März 2005 im Kieler Landtag mit ihrer Wiederwahl in vier geheimen Wahlgängen knapp gescheitert.

Jemand aus den eigenen Reihen hatte ihr seine Stimme verweigert. Danach zog sich Simonis aus der Politik zurück. Die Deutsche Presse- Agentur dpa sprach mit der ehemaligen Ministerpräsidentin.

Frau Lieberknecht ist nach Ihnen die zweite Ministerpräsidentin, die es je in Deutschland gab. Haben die Umstände ihrer Wahl auch damit zu tun, dass sie eine Frau ist? "Ich denke ja. So, wie sie mich behandelt haben und wie sie jetzt Frau Lieberknecht in Thüringen behandelt haben - ich glaube, Männer hassen uns wirklich."

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie sich das Abstimmungsdrama um Frau Lieberknecht anschauen? "Ich merke, wie ich richtig wütend werde. Das, was da abgelaufen ist, ist vollkommen sinnlos - außer, dass sie Frau Lieberknecht gezeigt haben: Sie wollen sie nicht, aber finden Kommunisten noch schlimmer als sie, und deswegen haben sie sie genommen. Damit machen sie es ihr verdammt schwer, neues Vertrauen zwischen den Parteien in Thüringen zu erarbeiten. Ich halte das für absolut obskur."

Was für Spuren hat Ihre gescheiterte Wiederwahl bei Ihnen hinterlassen? "Man geht raus und versucht, das halbwegs würdevoll hinzukriegen. Aber es war der Versuch, mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen, und das dasselbe haben sie heute mit Frau Lieberknecht gemacht. Das sind politisch nicht nachvollziehbare Prozesse. Die sind heimlich gemacht, sie kommen im letzten Moment, man kann sich nicht dagegen wehren, man kann nichts erklären, man kann sich nicht zusammensetzen. So etwas ist für die Politik nicht gut. Ich verstehe jetzt langsam, wenn die Leute sagen: Sollen die Politiker doch ihren Dreck allein machen, da geh ich doch nicht hin." (dpa)

Datum:  30 | 10 | 2009
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