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30. Mai 2012

Hells Angels und Bandidos in Berlin: Rocker-Razzia: Ermittlungen wegen Geheimnisverrats

 Von Andreas Kopietz
Mitglieder der Rockerclubs Hells Angels und Bandidos in Berlin waren offenbar von einem Informanten über ein unmittelbar bevorstehendes Verbot der Vereine informiert worden. Foto: BLZ

Nach der verpatzten Razzia bei den Hells Angels in Berlin hat Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt eingeleitet. Innensenator Frank Henkel  (CDU) zeigte sich entsetzt über den Vorfall.

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Berlin –  

Die Berliner Rocker waren offenbar von Ermittlern über den geplanten Einsatz informiert worden. Henkel forderte Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers auf, Konsequenzen zu ziehen. „Die Weitergabe von Informationen im Vorfeld von Einsätzen gefährdet den Einsatzerfolg und schlimmstenfalls auch das Leben der eingesetzten Polizeibeamten“, sagte Henkel. Koppers hat inzwischen Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt eingeleitet.

Wie berichtet, hatte sich am Montag das Charter „Berlin City MC“ der Hells Angels am Montag aufgelöst, um dem drohenden Verbot zu entgehen. Zudem brachten die Rocker vorsichtshalber Teile ihres Clubeigentums in Sicherheit. Auch die Teilorganisationen „Brigade 81“, „Berlin City MG 81“ und „City-Crew 81“ wurden rechtzeitig aufgelöst.

Die Rocker waren offenbar detailgenau über den bevorstehenden Einsatz informiert. Sie wussten sogar bestens darüber Bescheid, welche Unterstützungseinheiten  aus welchen Bundesländern zu dem bevorstehenden Einsatz anreisen würden.

Die Polizeiführung entschloss sich am Dienstag trotzdem zum Zugriff. Am späten Abend wurde den Verantwortlichen des Rockerclubs durch die Polizei die Verbotsverfügung des  Innensenators  übergeben. Dem Verein ist ab sofort jede Tätigkeit untersagt. Außerdem dürfen die Mitglieder keinerlei Ersatzorganisationen gründen oder gemeinsam einem anderen Verein beitreten.

In der Verbotsbegründung steht unter anderem, dass der Zweck und das Tätigkeit des Clubs auf Strafhandlungen ausgerichtet sei. Den Rockern wird vorgeworfen, unter anderem  im organisierten Drogen- und Menschenhandel und in der Rotlichtkriminalität verwickelt zu sein.

Seit dem frühen Morgen durchsuchen Polizeibeamte an mehr als 30 Orten in Berlin Wohnungen und Lokale, um das Vereinsvermögen zu beschlagnahmen. An dem Einsatz,  der voraussichtlich noch bis zum  Abend andauert, sind mehr als 500 Polizisten, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK), beteiligt.

So stürmten SEK-Beamte an der Pankower Allee unter anderem die Wohnung von Kadir P., dem Chef des Charters Berlin City, die sich unweit des Vereinsclubhauses an der Reinickendorfer Residenzstraße befindet. Dort beschlagnahmten sie unter anderem Zahlreiche Westen, im Rockerjargon Kutten genannt, auf denen der geflügelte Totenkopf prangt.

Henkel kündigt weitere Schritte gegen Rockerkriminalität an

Doch auch die mit den Hells Angels seit Jahren verfeindeten Rocker vom Bandidos MC brachten sich in Sicherheit, weil auch sie ein Verbot befürchten. So gab es, wie berichtet, zu Pfingsten Übertritte mehrerer Abteilungen zu den „Höllenengeln“: Der Club „Southside“ und „South Central“ der Bandidos  liefen zu Hells Angel-Clubs in Potsdam über. Diese sind bislang nicht verboten. Bei der Polizei wird vermutet, dass man so in Ruhe seinen Geschäften in der organisierten Kriminalität nachgehen wolle.

Henkel bezeichnete das Verbot der Hells Angels als wichtigen Schlag gegen die Rockerkriminalität. „Damit senden wir das Signal, dass wir Rechtsbrüche aus welcher Richtung auch immer nicht dulden werden“, sagte Henkel. Das Verbot von Rockerclubs sei ein notwendiger, „aber gewiss nicht der letzte Schritt im Kampf gegen die Gefahren, die von diesen Gruppierungen ausgehen“.

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) hat die Rocker unterdessen davor gewarnt, das Land als Schutzort zu betrachten: „Brandenburg ist für kriminelle Rocker seit langem ein ungemütliches Pflaster. Wenn sich da jetzt einzelne bei uns eine Art Rückzugsraum versprechen, dann haben sie sich komplett verrechnet“, erklärte Woidke am Mittwoch über einen Sprecher.

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