Der bescheidene Auftritt ist seine Sache nicht. In seiner langen publizistischen Karriere hat es der aus einer polnisch-jüdischen Familie stammende Henryk M. Broder stets verstanden, intellektuellen Scharfsinn mit provokanter Übertreibung zu verbinden. Auf die Nerven und über die Schmerzgrenzen zu gehen, hat Broder zu einem unverwechselbaren Stil verfeinert.
Das hat ihm im Verlauf der Jahre einige Freundschaften gekostet, manche wurden sogar vor Gericht verhandelt. So erstritt Broder gegen den Verleger Abraham Melzer das Recht zu der öffentlichen Behauptung, dieser habe "den Adolf gemacht". In Melzers Verlag war 1970 Broders erstes Buch "Wer hat Angst vor der Pornografie" erschienen.
Die schrille Übertreibung gehört ebenso zu den charakteristischen Äußerungen des 63-jährigen Spiegel-Autors wie das beharrliche wiederholen umstrittener Überzeugungen. Nach seinem Debüt in Blättern des linken Milieus attackierte er ab Ende der siebziger Jahre einen linken Antisemitismus, der ihn schließlich dazu bewog, öffentlich seinen Weggang aus Deutschland anzukündigen.
Obwohl er einige Zeit in Israel verbrachte, war Broder als streitbarer Autor jedoch immer präsent. In zahlreichen Büchern und Artikeln hat er die nie erloschene Judenfeindlichkeit in Deutschland beklagt und das verklärende Verhältnis der Deutschen zum Islamismus hervorgehoben. Für seine publizistische Unberechenbarkeit und seine unkorrumpierbare Schärfe wurde Broder 2007 mit dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet.
Es spricht einiges dafür, dass die Ankündigung seiner Kandidatur zu den Wahlen des Zentralrats der Juden eher der Lust an der Kampagne entspringen als dem Streben nach dem Amt. In einem scharfzüngigen Beitrag für den Tagesspiegel hat Broder die Führung des Zentralrats angegriffen. "Die offizielle Vertretung der Juden in Deutschland befindet sich in einem erbärmlichen Zustand", schreibt Broder und spart dabei nicht mit persönlicher Kritik.
Sein eigenes Programm skizziert er mit großer Geste und grobem Strich: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird." Das Gesetz sei gut gemeint gewesen, habe sich aber als kontraproduktiv erwiesen, da es Idioten dazu verhelfe, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren.
Man mag Broders Kandidatur mit der parodistischen Überzeichnung vergleichen, mit der Hape Kerkeling seine Kunstfigur Horst Schlämmer auf die Bühne des Bundestagswahlkampfes geschickt hat. Sie teilen den Habitus des lärmenden Polterns. Eins aber unterscheidet Broder von Schlämmer. Er meint es bitterernst.
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