Die paar jungen Leute im Konrad-Adenauer-Haus schauen aus ihren orangefarbenen T-Shirts mit der Aufschrift "Team Deutschland", als hätten sie gerade erfahren, dass "Tokio Hotel" sich auflösen. Dabei haben die CDU-Wahlhelfer just erfahren, dass ihre Partei in Sachsen weiter den Ministerpräsidenten stellt.
So etwas wie Beifall ist aus der Truppe, von Generalsekretär Ronald Pofalla zum Jubeln engagiert, erst zu hören, als der Balken der FDP wächst und wächst. So geht am Abend des 30. August 2009 eine doppelte Premiere über die Bühne in der Berliner CDU-Zentrale.
Die Freidemokraten liegen, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt, erstmals bei einer Länderwahl vor den Sozialdemokraten - und den christdemokratischen Nachwuchs freut das mehr als das Abschneiden der eigenen Partei.
Norbert Röttgen, der als Partei-Intellektueller gilt, wagt als erster CDU-Spitzenpolitiker einen Kommentar. "Licht im Schatten" diagnostiziert der Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag. Will sagen: In Sachsen ein Erfolg - in Thüringen und im Saarland Zittern, ob wir trotz Verlusten an der Macht bleiben können.
Kurz darauf tritt Pofalla vor die Kameras: "Licht und Schatten" auch bei ihm. Schon vor Schließung der Wahllokale hatte er mit der Parteichefin die Sprachregelung abgesprochen. Angela Merkel kam im Auto von einer Veranstaltung in Hamburg. Dort hatte sie zum wiederholten Male ihre Präferenz für ein bürgerliches Bündnis in Berlin bekräftigt. Sachsen - das sollte der Leuchtturm sein an diesem Abend. Alles aber in Merkels mittlerer Tonlage.
Pofalla schildert das Böse
Diese Tonlage behält auch der CDU-Generalsekretär bei, wenn es darum geht, das Böse zu schildern: Die SPD habe eine Chance nur mit der Linken, deshalb stehe Ende September eine "Richtungswahl" an. Er lächelt zwar nicht, aber sonderlichen Ingrimm legt Pofalla nicht in seine Stimme.
Bloß keine Aufregung: Diese Maxime bekräftigt die Kanzlerin aus ihrem Dienstwagen. Ihr Telefon allerdings steht nicht still. Dort muss einer beglückwünscht, hier wollen zwei getröstet werden, zwei Prozent-, wenn nicht Amtsverlierer. Merkel muss verhindern, dass sie ihren Frust vor dem Kanzleramt abladen.
Althaus und Müller, sagt Pofalla, werden die Initiative zur Regierungsbildung ergreifen. Bestenfalls bleiben sie sogar Ministerpräsidenten: der Thüringer in einer großen Koalition, der Saarländer, diese geringe Chance wollen Merkel und Pofalla ihm nicht verbauen, in der allerersten Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. Es sei zu früh, darüber zu reden, sagt der Generalsekretär. Ein kategorisches Nein klingt anders.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.