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Hessen: Roland Kochs Problem-Minister

Die Ex-Firma von Volker Hoff gerät in juristische Auseinandersetzungen - für die CDU ein Risiko im Wahlkampf. Von Matthias Thieme

Angeschlagen: Hessens Europaminister Volker Hoff.
Angeschlagen: Hessens Europaminister Volker Hoff.
Foto: dpa

Hessens CDU hat in diesen Tagen vor den Wahlen viel um die Ohren. Jetzt droht ihr auch noch ein Skandal. Volker Hoff, Europaminister im Kabinett von Ministerpräsident Roland Koch, könnte in Bedrängnis kommen. Mitten im Wahlkampf rücken seiner ehemaligen Firma die Gläubiger auf die Pelle.

Kürzlich hat das Amtsgericht Hünfeld brisante Post bekommen: Mahnbescheide über mehrere Millionen Euro. Das Amtsgericht ist die zentrale Stelle zur Durchsetzung von Gläubiger-Ansprüchen in Hessen. Die Summe, um die es geht, ist hoch: Insgesamt 31,5 Millionen Euro fordert die große Medienagentur Aegis mit Sitz in Wiesbaden von drei Schuldnern. 7,5 Millionen davon soll Volker Hoffs ehemalige Firma bezahlen. Es geht dabei um "ungerechtfertigte Bereicherung". Das Brisante: Es geht um dubiose Geldströme aus der Zeit als Volker Hoff Geschäftsführer dieser Firma war - ausgerechnet zuständig für die Finanzkontrolle.

Bevor alles aufflog und die Staatsanwaltschaft anrückte, hieß die Firma, die nun einen Mahnbescheid über 7,5 Millionen Euro bekommen hat, "ZoffelHoffPartner (ZHP)". Der CDU-Politiker Hoff hatte die Firma zusammen mit seinem Partner Reinhard Zoffel gesteuert. Bevor Hoff Staatsminister in Hessen wurde, schied er aus der Firma aus. Doch alle zwielichtigen Geschäfte, die nun bekannt werden, fallen in seine Zeit als Geschäftsführer.

Mit der hessischen CDU war die Firma eng verwoben. Kampagnen für viele Konservative von Helmut Kohl bis Roland Koch hat sie entworfen, Empfänge organisiert, selbst für Kochs tibetischen Freund, den Dalai Lama. Immer ging alles irgendwie auf und die Gewinne stimmten. Doch jetzt stechen die Ermittler der Staatsanwaltschaft und die Agentur Aegis mit ihrer Millionen-Forderung tief hinein in diesen Sumpf, in dem es sich so gut Geschäfte machen lies.

"Wunschkind" heißt Hofs ehemalige Firma heute. Umbenannt wurde die Firma erst, als Volker Hoff Angst bekam, in einen der größten Strafprozesse hineingezogen zu werden, der derzeit vor dem Wiesbadener Landgericht verhandelt wird. Dort geht es um Untreue im ganz großen Stil. Rund 50 Millionen Euro der Agentur Aegis sind verschwunden und in einem Geflecht aus Tarnfirmen versickert. Mitten drin in diesem Geflecht: Volker Hoffs ehemalige Firma.

Jetzt, drei Tage vor der Landtagswahl, kann die Bombe jederzeit platzen und das verschwiegene Machtgefüge der Hessen-CDU erschüttern. Der Mahnbescheid hat Hoffs ehemalige Firma schon erreicht, teilt "Wunschkind"-Geschäftsführer Ralf Tippelt der FR mit. "Wir sind der Auffassung, dass die Ansprüche völlig unberechtigt sind." Die Gegenseite habe diese seit 2006 nicht gerichtlich geltend gemacht und wolle jetzt eine Verjährung vermeiden.

Nun bleibt nur eine Frist von zwei Wochen. Zahlt "Wunschkind" nicht, kommt vor dem Wiesbadener Landgericht ein Zivilprozess ins Rollen, der Hoff zu einem Risiko in einer neuen CDU-Regierung machen würde. Die Firma "Wunschkind" könnte Schadensersatz-Ansprüche gegen ihre früheren Geschäftsführer Reinhard Zoffel und Volker Hoff geltend machen. Für den Mahnbescheid von 7,5 Millionen müsste die Firma sonst Rücklagen bilden. Eine Summe, die für die GmbH existenzgefährdend werden könnte.

Schlecht für Hoff und seine ehemalige Firma: "Das Unternehmen ist immer mit der selben Handelsregisternummer HRB 8856 weiter gelaufen", so Aegis-Anwalt Johann Christoph Gaedertz. Juristisch handelt es sich um dieselbe "Rechtspersönlichkeit" wie zu Hoffs Zeiten. Falls Hoff seine Pflichten verletzt hätte, kann die Firma ihn haftbar machen. Für Unregelmäßigkeiten unter Hoffs Ägide gibt es viele Indizien, so dass es sachkundigen Beobachtern nur schwer vorstellbar ist, dass Hoff politisch unbeschadet bleibt.

Der FR liegen Hunderte Dokumente vor, die Hoffs Verstrickung sichtbar machen. Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft, Handelsregisterauszüge, Transaktionslisten, und von Hoff unterzeichnete Dokumente. Die Fakten: Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat akribisch recherchiert, dass Hoffs ehemalige Firma ZHP das Werkzeug für kriminelle Aktivitäten war, mit denen der Medienagentur Aegis in Wiesbaden exakt 9 105 051,72 Euro entwendet wurden. Ohne ersichtlichen Grund, ohne Gegenleistung floss die immense Summe durch Hoffs kleine Firma - und verschwand.

Fraglich ist, ob der nach eigenen Angaben für die Finanzen zuständige Geschäftsführer diesen wundersamen Geldsegen überhaupt geprüft und korrekt verbucht hat. "Ein kaufmännischer Geschäftsführer muss dafür Sorge tragen, dass eingehende Beträge ordentlich verbucht werden", sagt Gaedertz.

Genau das hat Hoff jedoch laut Staatsanwaltschafts-Akten offenbar nicht immer getan. 38 Fälle solcher dubiosen Geldflüsse an Hoffs Firma listen die Ermittler auf. Meistens wurde per Scheck abgerechnet, immer ohne ersichtlichen Grund. Rund hundert Seiten umfasst die Aufstellung, die sich mit Hoffs Firma befasst und der FR vorliegt.

Doch angeklagt ist Volker Hoff zur Verwunderung vieler Ermittler und Anwälte in Hessen nicht. Angeklagt und in Untersuchungshaft ist lediglich der ehemalige Aegis-Manager Alexander Ruzicka, der als der Erfinder des kriminellen Systems von Tarnfirmen gilt, aber alle Vorwürfe abstreitet. Hoff trat vor Gericht bislang nur als Zeuge auf, sprach von Erinnerungslücken und fand es normal, Zahlungen in Millionenhöhe mit Schecks abzuwickeln. Welches Ausmaß die Zahlungsströme hatten, will Hoff nicht bemerkt haben.

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Autor:  MATTHIAS THIEME
Datum:  15 | 1 | 2009
Seiten:  1 2
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