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23. April 2010

Hessische Schülerin geschwängert: Elisas Not

 Von Peter Hanack

Ein Sportlehrer schwängert seine 14-jährige Schülerin. Eine Lehrerin bringt sie zur Abtreibung. Der Leiter des hessischen Gymnasiums vertuscht mit. 15 Jahre später erzählt das Opfer seine Geschichte der FR. Von Peter Hanack

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Mit 14 wird Elisa* schwanger. Der Vater des Kindes ist dreimal so alt wie sie. Es ist ihr Sportlehrer an einem hessischen Gymnasium. Ihre Eltern erfahren nichts, eine Lehrerin begleitet Elisa drei Tage nach ihrem 15. Geburtstag zur Abtreibung.

15 Jahre ist das nun her. 15 Jahre, in denen sie mit kaum einem Menschen darüber sprechen konnte, wie sie das Geschehen erlebte. Wie schwer es war, sich von "ihm" zu trennen, wie sie sich in der Stadt immer wieder umdrehte voller Angst, "er" könne hinter ihr stehen. "Ich hab´ mich so geschämt", erinnert sie sich heute. "Ich sei schuld, hat er gesagt. Ich habe das geglaubt, lange habe ich das geglaubt. Eigentlich habe ich erst letztes Jahr verstanden, dass nicht ich es war, die schuldig wurde", sagt Elisa. Keiner sollte davon wissen, erst recht nicht die Eltern.

Sie hat sich entschlossen, nicht länger zu schweigen. Sie hat ihren früheren Sportlehrer angezeigt. Im Januar hat ihre Anwältin die hessische Schulaufsicht gebeten, ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Elisas Sportlehrer unterrichtet noch immer, musste sich nie für sein Verhalten verantworten.

Die Schule folgte Elisas damaligem Drängen, hielt den Fall unter der Decke. Jahre später schreibt ihr Schulleiter über die Zeit nach der Abtreibung: "Elisa, früher heiter und aufgeschlossen, wirkt zunehmend verstockt, abweisend." Sie hat Depressionen und Unterleibsschmerzen, für die sich keine organische Ursache finden lässt.

"Wenn ich heute daran denke, wünsche ich mir, jemand hätte sich über meine Angst hinweggesetzt, hätte meine Eltern informiert", sagt Elisa heute. Fast 30 ist sie nun. Der Wunsch, "er" möge noch zur Rechenschaft gezogen werden, ist Teil ihres Versuchs zu bewältigen, was ihr angetan wurde.

*Die FR nennt den richtigen Namen des Opfers nicht. Die Schule wird nicht genannt, weil das Verfahren noch läuft.

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