Yahya Jammeh liebt Titel. Der Staatschef des westafrikanischen Kleinstaats Gambia lässt sich gewöhnlich mit „His Excellency the President Sheik Professor Alhaji Doctor Yahya Jammeh“ anreden: Eine Aufzählung, an der außer seinem Namen nicht viel stimmt. Denn ein gelehrter Scheich ist der per Putsch an die Macht gekommene Militärmann genauso wenig wie ein Professor, und seinen (Ehren-)Doktortitel verlieh ihm die St. Peterburger „International University of Fundamental Studies“, die als „Titel-Schleuder gilt.
Trotzdem ist dem 45-jährigen Kleinstaatschef, der nebenberuflich als Aids-Heiler in Erscheinung tritt, die beachtliche Würdensammlung nicht genug. Ein gambischer Häuptling schlug jetzt vor, den seit 16 Jahren regierenden Präsidenten zum König zu krönen: „Nur so kann das Volk seine Dankbarkeit für einen Führer zum Ausdruck bringen, der Großes für das Land geleistet hat“, fand das Stammesoberhaupt.
Kaum jemand zweifelt daran, dass Jammeh selbst hinter dem Vorschlag steht, hatte er doch in einer Rede im Juli dekretiert: „Ob Ihr es wollt oder nicht: Kein Coup und keine Wahlen können meine Regierungszeit beenden. Ich werde dieses Land mit Gottes Hilfe so lange führen wie ich will. Und schließlich jemanden auswählen, der mich ersetzen wird.“
Wahre Monarchisten werden von dem Vorschlag kaum begeistert sein. Der Königstitel soll einer der wenigen Würden sein, die man nicht einfach erwerben kann – man hat’s im Blut oder nicht. Afrikas Potentate haben solche Einwände noch nie gestört. Der zentralafrikanische Schreckensherrscher Jean-Bedel Bokassa krönte sich 1977 gleich zum Kaiser – eigenhändig, nachdem es Papst Paul VI. abgelehnt hatte, die Zeremonie zu übernehmen. Libyens Putschistenchef Muammar al-Gaddafi wurde im August 2009 sogar zum „König aller Könige“ des Kontinents erhoben; 200 in Ghana versammelte afrikanische Monarchen erwiesen dem Revolutionsführer die feudale Ehre.
An Jammehs Herrschaft über den westafrikanischen Kleinstaat werde sich mit der Krönung nicht viel verändern, sagen Landeskenner voraus. Schon heute regiert der Präsident das jährlich von hunderttausenden westlichen Touristen zum Badeurlaub aufgesuchte Gambia wie ein Monarch.
Kritik kann in dem Zwei-Millionen-Einwohner-Staat tödlich sein. Der Journalist Deyda Hydara wurde im Dezember 2004 auf mysteriöse Weise umgebracht. Vier Jahre später forderte Jammeh alle homosexuellen Gambier auf, das Land umgehend zu verlassen, andernfalls werde er ihnen „die Köpfe abschneiden“.
Heiler wegen Hexerei vergiftet
Wieder ein Jahr später machte die Internierung von mehr als tausend Heilern und Heilerinnen unter dem Vorwurf der Hexerei Schlagzeilen in Afrika. Sie mussten giftige Getränke trinken, was bei vielen Nierenschäden auslöste. Zwei sollen an den Folgen der Vergiftung gestorben sein. Einem Bericht der New York Times zufolge stand Jammeh selbst hinter der Aktion: Er soll die Heiler für den Tod seiner kurz zuvor verstorbenen Tante verantwortlich gemacht haben.
Käme es zur Krönung, dürfte Jammeh bei afrikanischen Gipfeln künftig neben Mswati III. zu stehen kommen – dem derzeit einzig verbliebenen absoluten Monarchen des Kontinents. Der swasiländische König hat dem gambischen Emporkömmling allerdings außer dem erblichen Titel noch etwas voraus: Er verfügt bereits über 14 Ehefrauen, während Jammeh kürzlich erst seine zweite Frau, die 25 Jahre jüngere Alima Sallah, ehelichte. Majestät hat noch viel aufzuholen.
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