kalaydo.de Anzeigen

Hilfsgüterflotte: Freiheit auf dem Weg nach Gaza

Sie wollen die israelische Blockade nach Gaza durchbrechen und Hilfsgüter aus Irland, Schweden, Griechenland und der Türkei bringen. Israel droht den Aktivisten von "Free Gaza" mit Haft. Von Inge Günther

Jerusalem. Es ist die größte internationale Solidaritäts-Aktion, um die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Acht Schiffe - Frachtkutter ebenso wie Passagierdampfer aus Irland, Schweden, Griechenland und Türkei - schippern im östlichen Mittelmeer mit dem verwegenen Ziel, als "Free-Gaza"-Flottille die Küste des palästinensischen Elendsstreifens zu erreichen.

An Bord: 10.000 Tonnen Hilfsgüter wie Zement, Fertighäuser, Zahnarztlabor sowie Rollstühle. Dazu 600 Aktivisten aus 40 Ländern, unter ihnen Bürgerrechtler, Parlamentarier wie die Linken-Bundestagsabgeordnete Annette Groth und engagierte Individualisten wie der schwedische Schriftsteller Henning Mankell, unter anderem Autor der Krimis um Kommissar Kurt Wallander.

Israel gibt sich fest entschlossen, die "Freiheits-Flotte" zu stoppen. Verteidigungsminister Ehud Barak hat der Marine, die jenseits der unmittelbaren Gaza-Gewässer einen 20-Seemeilen-Bann kontrolliert, entsprechende Anweisung erteilt.

Die Regierung will die Boote zur Kursänderung in den israelischen Hafen Aschdod zwingen. Die Fracht mit den Hilfsgütern könne, falls dem keine Sicherheitsgründe entgegenstehen, von dort nach Gaza gebracht werden - nicht aber die Passagiere. Auf sie wartet ein provisorisches Haftlager in einem Lager im Hafen von Aschdod. Das Drama ist also programmiert, an Land wie auf See.

Zwar dürfte es für Israels Marine ein Leichtes sein, eine Flotille alter Schiffe aufzubringen. Den passiven Widerstand unbewaffneter Passagiere zu brechen, würde sich jedoch schlecht machen - zumal Fernseh- und Filmteams an Bord sind. Mit der Empfehlung, die Schiffe passieren zu lassen, um einen Image-Schaden zu verhindern, stand Kabinettssekretär Zvi Hauser indes allein da.

Suspekt ist der israelischen Regierung, dass das größte Schiff aus Istanbul kommt. Es wird finanziert von Spenden der Hilfsorganisation Insani Yardim Vafki (IHH), die angeblich der moslemischen Bruderschaft nahesteht. "Ein zynisches türkisches Manöver" sei das, argwöhnt der Sicherheitsexperte Alex Fishman in der Zeitung Yedioth Achronoth, das der Hamas in Gaza zur Legitimität verhelfen solle. Die Free-Gaza-Bewegung weist das zurück. "Unser gemeinsamer Nenner", so Dror Feiler, Agitationskünstler mit israelischem und schwedischem Pass, "ist unsere Opposition zur Gaza-Belagerung und zur Kollektivstrafe für 1,5 Millionen dort lebende Menschen."

Amnesty International bescheinigt im gerade erschienenen aktuellen Report: "Die Blockade trifft die Schwächsten in Gaza, Kinder, Alte und Kranke, nicht die bewaffneten Militanten." Zwar hat sich die Versorgungslage verbessert, aber drei Viertel der im Gaza-Krieg zerbombten Häuser konnten wegen des Embargos nicht repariert werden.

Vor zwei Jahren gelang es zwei Booten, getauft auf "Free Gaza" und "Liberty", in Gaza-City anzulegen. "Das war ein symbolischer Akt", sagt die Koordinatorin der Free-Gaza-Aktion, Greta Berlin, "die Schiffe jetzt werden richtige Wirkung entfalten."

Autor:  Inge Günther
Datum:  28 | 5 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (240 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Lobhudelei in traurig-krächzender Show
Karlsruhe urteilt: Die derzeitige Bezahlung von Uni-Professoren ist nicht rechtens.
Urteil zu Professorenbesoldung 
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!