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28. Mai 2010

Hilfsgüterflotte: Freiheit auf dem Weg nach Gaza

 Von Inge Günther

Sie wollen die israelische Blockade nach Gaza durchbrechen und Hilfsgüter aus Irland, Schweden, Griechenland und der Türkei bringen. Israel droht den Aktivisten von "Free Gaza" mit Haft. Von Inge Günther

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Jerusalem. Es ist die größte internationale Solidaritäts-Aktion, um die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Acht Schiffe - Frachtkutter ebenso wie Passagierdampfer aus Irland, Schweden, Griechenland und Türkei - schippern im östlichen Mittelmeer mit dem verwegenen Ziel, als "Free-Gaza"-Flottille die Küste des palästinensischen Elendsstreifens zu erreichen.

An Bord: 10.000 Tonnen Hilfsgüter wie Zement, Fertighäuser, Zahnarztlabor sowie Rollstühle. Dazu 600 Aktivisten aus 40 Ländern, unter ihnen Bürgerrechtler, Parlamentarier wie die Linken-Bundestagsabgeordnete Annette Groth und engagierte Individualisten wie der schwedische Schriftsteller Henning Mankell, unter anderem Autor der Krimis um Kommissar Kurt Wallander.

Israel gibt sich fest entschlossen, die "Freiheits-Flotte" zu stoppen. Verteidigungsminister Ehud Barak hat der Marine, die jenseits der unmittelbaren Gaza-Gewässer einen 20-Seemeilen-Bann kontrolliert, entsprechende Anweisung erteilt.

Die Regierung will die Boote zur Kursänderung in den israelischen Hafen Aschdod zwingen. Die Fracht mit den Hilfsgütern könne, falls dem keine Sicherheitsgründe entgegenstehen, von dort nach Gaza gebracht werden - nicht aber die Passagiere. Auf sie wartet ein provisorisches Haftlager in einem Lager im Hafen von Aschdod. Das Drama ist also programmiert, an Land wie auf See.

Zwar dürfte es für Israels Marine ein Leichtes sein, eine Flotille alter Schiffe aufzubringen. Den passiven Widerstand unbewaffneter Passagiere zu brechen, würde sich jedoch schlecht machen - zumal Fernseh- und Filmteams an Bord sind. Mit der Empfehlung, die Schiffe passieren zu lassen, um einen Image-Schaden zu verhindern, stand Kabinettssekretär Zvi Hauser indes allein da.

Suspekt ist der israelischen Regierung, dass das größte Schiff aus Istanbul kommt. Es wird finanziert von Spenden der Hilfsorganisation Insani Yardim Vafki (IHH), die angeblich der moslemischen Bruderschaft nahesteht. "Ein zynisches türkisches Manöver" sei das, argwöhnt der Sicherheitsexperte Alex Fishman in der Zeitung Yedioth Achronoth, das der Hamas in Gaza zur Legitimität verhelfen solle. Die Free-Gaza-Bewegung weist das zurück. "Unser gemeinsamer Nenner", so Dror Feiler, Agitationskünstler mit israelischem und schwedischem Pass, "ist unsere Opposition zur Gaza-Belagerung und zur Kollektivstrafe für 1,5 Millionen dort lebende Menschen."

Amnesty International bescheinigt im gerade erschienenen aktuellen Report: "Die Blockade trifft die Schwächsten in Gaza, Kinder, Alte und Kranke, nicht die bewaffneten Militanten." Zwar hat sich die Versorgungslage verbessert, aber drei Viertel der im Gaza-Krieg zerbombten Häuser konnten wegen des Embargos nicht repariert werden.

Vor zwei Jahren gelang es zwei Booten, getauft auf "Free Gaza" und "Liberty", in Gaza-City anzulegen. "Das war ein symbolischer Akt", sagt die Koordinatorin der Free-Gaza-Aktion, Greta Berlin, "die Schiffe jetzt werden richtige Wirkung entfalten."

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