Auf den Chefetagen der Vereinten Nationen wertet man den Beschuss der Büros und Warenlager des Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) durch israelische Artillerie als vorsätzlich. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte das Vorgehen eine "Schandtat". Der für humanitäre Angelegenheiten zuständige Unter-Generalsekretär John Holmes drückte "totalen Schock und Bestürzung" aus. Nur durch ein Wunder sei die Zahl der Opfer gering geblieben.
Der Leiter des UNRWA-Büros in Gaza, der Ire John Ging, erläuterte am Freitag auf einer Pressekonferenz in Genf telefonisch den Hergang des Angriffs. Während des Beschusses befanden sich rund 700 Frauen und Kinder, die vor den Kämpfen Zuflucht suchten, am Sitz der UNRWA, berichtete Ging. Die israelischen Streitkräfte seien darüber "voll informiert" gewesen. Auch die GPS-Positionen aller UNRWA-Gebäude waren der israelischen Armee über deren Verbindungsoffiziere übermittelt worden. Trotzdem schlug am Donnerstag um zehn Uhr morgens eine Panzer- oder Artilleriegranate am Sitz der UNRWA ein.
Ging rief sofort die Verbindungsoffiziere der israelischen Armee an, die ihm zusicherten, dass sich der Vorfall nicht wiederholen werde. Eine Stunde später geriet das Gebäude der UNRWA jedoch unter schweren Beschuss.
Die Granaten trafen die Berufsschule der Hilfsorganisation, ihr Warenlager, den Lastwagenpark und die Treibstoffvorräte. Drei Mitarbeiter wurden verwundet, doch es gelang den Helfern, die meisten der aufgetankten Laster in Sicherheit zu bringen. Nur 20 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. "Die Geschosse rochen nach Phosphor und brannten wie Phosphor", berichtet Ging. Der Kampfeinsatz von weißem Phosphor in dicht besiedelten Gebieten ist völkerrechtlich geächtet.
"Wir konnten nicht verhindern, dass hunderte Tonnen Nahrungsmittel und Medikamente, die zur Verteilung bestimmt waren, in Flammen aufgingen", so Ging. Die Löscharbeiten dauerten sechs Stunden. Ging fordert, dass die Urheber dieses Angriffs zur Verantwortung gezogen werden. Bisher hätten sich die Israelis weder bei der UNRWA entschuldigt noch Schadenersatz angeboten.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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