Seit dem Wochenende gibt es Fernsehbilder von der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen. Sie zeigen Geschossteile, die nach der Explosion mit langen Rauchfahnen auf den Boden niederregnen. Für viele Medien, darunter die britische Times, ist klar: Israels Armee setzt Phosphorbomben im Krieg gegen die Hamas ein. Nach der Genfer Waffenkonvention von 1980 sind diese nur noch zur Vernebelung oder Beleuchtung erlaubt. Verboten ist dagegen ihr Einsatz als Brandwaffe gegen die Zivilbevölkerung. Sie verursachen beim Hautkontakt Verbrennungen bis auf die Knochen, die Dämpfe sind hochgiftig.
Aus deutschen Militärkreisen hieß es, die Bilder zeigten eindeutig, dass Israel Nebelmittel verwendet. Erkennbar sei dies an den typischen Sprengwölkchen und den Teilchen, die in Strahlenkränzen zur Erde sinken. Nebelmittel enthielten immer weißen oder roten Phosphor. Bei Trockenheit könnten sie kleine Feuer verursachen. Sie würden eingesetzt, um dem Gegner die Sicht auf die eigenen, angreifenden Truppen zu vernebeln.
Israel will den Einsatz von Phosphorgranaten indes nicht bestätigen. Die Sprecherin der israelischen Botschaft in Berlin ließ auf Anfrage der FR mitteilen, die Verteidigungsstreitkräfte der Armee operierten "im Einklang mit dem internationalen Recht und halten an diesem Recht fest". Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Instituts für Transatlantische Sicherheit (BITS), hält es jedoch für "hochwahrscheinlich", dass Israel weißen Phosphor verwendet. Schließlich habe die Armee solche Granaten bereits im Libanon-Krieg 2006 eingesetzt.
Weißer Phosphor gilt als eine militärisch wirksame Waffe gegen Widerstandsnester, denen mit konventionellen Waffen nicht beizukommen ist. "Er vertreibt Menschen aus Bunkern", sagt Nassauer. Bei der Bundeswehr sei er durch roten, nichttoxischen Phosphor ersetzt worden, der mit anderen Substanzen gemischt werde. Israel dagegen stelle noch immer weiße Phosphormunition her und handle auch damit.
"Phosphor ist eine wahnsinnig grausame Sache, auch wenn er im Krieg nicht verboten ist", sagt Jan van Aken vom Sunshine Project, das gegen Bio- und Chemiewaffen kämpft. Seinen Einsatz im Gazastreifen hält er für sehr problematisch, da dort quasi kein unbevölkertes Terrain existiere, wie er der FR sagte. Fred Abrahams, Human Rights-Mitarbeiter in Jerusalem, ist vorsichtiger: Es gebe durchaus Gebiete, in denen Nebelgranaten keinen Schaden anrichten würden. Doch wisse niemand, an welchen Orten Israel sie tatsächlich abfeuere.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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