Ehrenbürger Hitler? „Das gab’s vor 1945 in allen Nestern“, sagt der Historiker Professor Hans Mommsen. Eigentlich schien das Thema längst abgehakt. Nun bewegte es doch wieder die Gemüter − in der rheinland-pfälzischen Unistadt Trier. Hier sollte Hitler der Ehrentitel am Donnerstagabend aberkannt werden.
Schätzungsweise 4000 deutsche Städte und Gemeinden hatten dem NS-Diktator zwischen 1932 und 1945 die Ehrenbürgerrechte verliehen. Viele davon haben sie ihm in der Nachkriegszeit demonstrativ aberkannt oder formell bestätigt, dass sie durch Ableben erloschen seien.
Eine Ehrenbürgerschaft wird üblicherweise auf Lebenszeit verliehen, erlischt also mit dem Ableben der Person. Trotzdem haben viele Städte Hitler die Ehrenbürgerwürde per Parlaments-beschluss explizit wieder entzogen, darunter Berlin, Frankfurt und München. Kriegsverbrechern wurde das Ehren-bürgerrecht 1946 durch Beschluss des Alliierten Kontrollrats aberkannt. jw
Auch in Trier hatte es immer wieder einmal Debatten über das Problem gegeben. Zum Beispiel 1979, als Hitler auf einer Ehrenbürgerliste in einem Büchlein auftauchte, das ein Ex-OB herausgegeben hatte. Aber die Stadtspitze argumentierte: Die Ehrenbürgerwürde sei automatisch erloschen, eine Aberkennung nicht möglich.
Der heutige Rathauschef Klaus Jensen (SPD) − er kam 2006 als erster Sozialdemokrat nach lauter CDU-Vorgängern auf diesen Posten − sah und sieht das anders. Er schlug den „demonstrativen Schritt“ vor, hinter den sich inzwischen alle Fraktionen im Stadtparlament gestellt haben. Hitler zu streichen, sei „überfällig, aber nicht zu spät“. Es habe immer wieder Anfragen dazu gegeben, auch aus dem Ausland. Man müsse alle Zweifel ausräumen, sagte er.
Die CDU, größte Fraktion im Stadtrat, zog mit, allerdings ohne große Begeisterung. „Wenn die Geschichte damit endgültig erledigt ist, dann in Gottes Namen“, zitierte der Trierische Volksfreund jüngst ihren Chef Bertrand Adams. Warum so zurückhaltend? Das wurde kurz vor der Stadtratssitzung klar. Da veröffentlichten die Trierer CDU-Ex-OBs Carl-Ludwig Wagner und Helmut Schröer eine Erklärung: Ein Hitler-Beschluss sei „überflüssig und sogar irreführend“, meinten sie angesäuert. Es werde der Eindruck erweckt, die Stadt habe sich erst jetzt dazu entschlossen, sich von der Ehrenbürgerwürde für Hitler zu distanzieren. Das sei falsch. Tatsächlich sei das doch in vielen Erklärungen geschehen.
Wie dem auch sei, Tagesordnungspunkt fünf der Parlamentssitzung sah am Donnerstag vor, die Ehrenbürgerwürde für Hitler und NS-Bildungsminister Bernhard Rust „posthum“ zu tilgen. Ein historisches Votum zwischen Beschlüssen zur neuen Parkgebühren-Ordnung und zur Generalsanierung einer Berufsschule.
Die Sache sollte im Parlament schnell über die Bühne gebracht werden. Adams ergriff das Wort und versuchte, die Wogen zu glätten. Viel Lust auf eine lange Debatte hatten die Fraktionen nicht: Man wollte dem einen NPD-Abgeordneten, Safet Babic, keine Profilierungschance ausgerechnet zu diesem Thema geben.
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