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Indien: Homosexualität legalisiert

Indiens Schwule und Lesben haben einen historischen Sieg errungen. Nach fast 150 Jahren hat das Oberste Gericht von Delhi gleichgeschlechtliche Liebe erlaubt. Von Christine Möllhoff

Neu Delhi. Indiens Schwule und Lesben haben einen historischen Sieg errungen. Nach fast 150 Jahren hat das Oberste Gericht von Delhi gleichgeschlechtliche Liebe erlaubt. Diese stand bisher als widernatürlich unter Strafe. Homosexuellen drohten bis zu zehn Jahre Haft. Diese Kriminalisierung hob das Gericht nun in einem Grundsatzurteil auf. Danach ist homosexueller Sex unter Erwachsenen im privaten Umfeld keine Straftat, wenn er einvernehmlich ist. Die Medien sprachen von einem "historischen Richterspruch". Das Urteil kann aber noch vor dem Höchsten Gericht angefochten werden.

Die beiden zuständigen Richter befanden, Paragraf 377 des geltenden Gesetzes verstoße gegen grundlegende Menschenrechte, die in Indiens Verfassung garantiert seien. Die NAZ-Stiftung, die für die Rechte von Homosexuellen eintritt, hatte 2001 gegen das Gesetz geklagt. Wie andere Organisationen beklagt sie, dass es die Aids-Bekämpfung behindert, weil schon die HIV-Aufklärung oft als Werbung für Homosexualität verfolgt wird. Zwar wurden Homosexuelle in der Praxis selten belangt, aber sie sind bis heute sozial geächtet und werden oft Opfer von Erpressungen.

Das Urteil dürfte ein wichtiger Schritt hin zur Besserstellung von Indiens Homosexuellen sein. Damit wächst der Druck auf die Politik, die anachronistische Gesetzgebung zu reformieren. Das alte Gesetz war 1861 von den britischen Kolonialherren eingeführt worden. In Großbritannien wurde homosexueller Sex bereits 1967 legalisiert. Am Sonntag hatten in Indiens großen Städten tausende Lesben und Schwule gegen ihre Kriminalisierung demonstriert. Sie begrüßten den Richterspruch. "Wir haben endlich das 21. Jahrhundert erreicht", sagte Anjali Gopalan von der NAZ-Stiftung. Bei hinduistischen, muslimischen und christlichen Organisationen stieß das Urteil dagegen auf teils heftige Kritik.

Das bisher geltende Recht steht in krassen Widerspruch zu Indiens Realität. In den Metropolen gibt es eine lebendige Lesben- und Schwulenszene. Mehrere Studien haben zudem herausgefunden, dass ein hoher Prozentsatz auch heterosexueller Männer schon mal mit Männern Sex hatte. Manche Studien sprechen sogar von jedem dritten Inder. Dies dürfte oft schlicht mangelnden Alternativen geschuldet sein, weil außerehelicher Sex zwischen Frauen und Männern in großen Teilen Indiens weiter tabusiert ist. Zudem sehen sich Männer nicht als homosexuell an, so lange sie nicht penetrieren. Nur derjenige, der sich penetrieren lässt, gilt vielen wirklich als homosexuell.

Autor:  CHRISTINE MÖLLHOFF
Datum:  3 | 7 | 2009
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