Walter Hernández ist ein honduranischer Filmemacher und war stets ein Kritiker der Regierung von Manuel Zelaya. Viele Worte und wenige Taten - so lautet das Urteil von Hernández über den entmachteten Staatschef. "Aber ich schäme mich dafür, dass in Honduras der erste Staatsstreich des 21. Jahrhunderts in Zentralamerika stattgefunden hat", sagte der 38-Jährige kurz nach dem Putsch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.
Hernández und sein Team waren seit Sonntag in der Hauptstadt Tegucigalpa unterwegs und filmten, was vor allem die Menschen in Honduras nicht sehen konnten, da die Putschregierung eine Zensur verhängt und Radio- und Fernsehstationen geschlossen hat. Hernández hat aufgenommen, was die neuen Machthaber "demokratischen Übergang" nennen. Das fünfeinhalb Minuten lange Video zeigt Militärs und Polizisten, die auf Zivilisten einknüppeln, Panzer die durch die Straßen rollen, Tränengas gegen Demonstranten und einen Polizisten, der mit einem Maschinengewehr auf ein Gebüsch feuert. Zuletzt gehen Polizisten auf den Kameramann los.
Bereits zuvor sind die Putschisten massiv gegen Journalisten vorgegangen. So wurden Reporter des venezolanischen Staatsfernsehens Telesur vorübergehend festgenommen, ebenso mehrere Agenturreporter, die von Soldaten aus ihren Büros gezerrt und abgeführt wurden. Seit Mittwochabend gilt ein Dekret, das für drei Tage die Versammlungs- und Bewegungsfreiheit einschränkt.
Am Mittwoch schrieb Filmemacher Hernández eine E-Mail, das er selbst als ein Testament bezeichnete: "Das ist vielleicht mein letztes Mail. Ich kann meine Mitarbeiter nicht finden. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen." Hernández sagt, mit dem Staatstreich habe die extreme Rechte wieder die Macht in Honduras übernommen, die schon 1963 eine demokratische Regierung stürzte: "Wir sind an einem Tag 40 Jahre in die Vergangenheit zurückgefallen. Ich hatte immer Respekt vor unseren Streitkräften, aber seit ich Kampfjets über Tegucigalpa kreisen sah, die den Putsch ankündigten, schäme ich mich. Weil ich mich für einen Bürger mit Rechten und Pflichten halte, erkenne ich Roberto Micheletti nicht als meinen Präsidenten an und lehne die Putsch-Institutionen ab." Er sei sich über die Folgen der Mail bewusst: "Ich hinterlege diese Mail als Testament, falls ich mich nicht wieder melde".
EU-Länder ziehen Botschafter ab
Spanien, Deutschland und andere EU-Länder haben unterdessen laut dem spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos beschlossen, ihre Botschafter aus Honduras abzuziehen und durch Geschäftsträger zu ersetzen. Die USA setzten ihre militärische Zusammenarbeit mit Honduras aus, die Weltbank legte Kredite auf Eis.
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