Was Porfirio Lobo am besten kann, ist lächeln. Zum Beispiel dann, wenn ihm die Fragen missfallen: "Stimmen die Gerüchte, dass Sie in der Sowjetunion studiert haben"? Lächeln. Auch wenn er nicht weiter weiß: "Welchen Einfluss wird Hugo Chávez noch haben in Honduras, wenn Sie Präsident sind"? Lächeln.
Porifrio Lobo, den alle nur Pepe nennen, ist ein freundlicher Mann von 61 Jahren. Schwer vorstellbar, dass er vor vier Jahren bei der Präsidentschaftswahl mit dem Versprechen antrat, in Honduras die Todesstrafe einzuführen, um der Gewalt der Jugendbanden Herr zu werden. Von dieser Zeit zeugt heute nur noch ein Aufkleber an der Tür zu seiner Terrasse, der eine Faust zeigt,
2005 unterlag Lobo nur äußerst knapp Manuel Zelaya. 37000 Stimmen trennten ihn damals von der Macht. Am Sonntag ging die Abstimmung eindeutiger aus. Der Bewerber der konservativen Nationalen Partei siegte mit rund 55 Prozent der Stimmen, so das Ergebnis von Nachwahlbefragungungen. Den Kandidaten der regierenden Liberalen, Elvin Santos, ließ Lobo weit hinter sich.
Zerrüttetes Land
Der Andrang vor den Wahllokalen war trotz der Boykottaufrufe Zelayas groß. Die Wahl verlief weitgehend ruhig. Nur in der Industriemetropole San Pedro Sula wurde ein Protest der Widerstandsfront gegen den Putsch mit Polizeigewalt aufgelöst. Die Putschregierung hatte 30000 Soldaten und Polizisten mobilisiert, um Ausschreitungen zu verhindern.
Putschpräsident Roberto Micheletti übergibt dem gewählten Präsidenten Lobo ein zerrüttetes Land. Zu der großen Armut und den wirtschaftlichen Problemen im drittärmsten Staat Lateinamerikas kommt jetzt die tiefe gesellschaftliche Spaltung, die der Staatsstreich vom 28. Juni verstärkt hat. In der Wahrnehmung der großen Mehrheit der Armen des Landes haben sich wieder diejenigen durchgesetzt, die Honduras ohnehin nach ihrem Gusto regieren: Die hauchdünne weiße Oberschicht, die aus einem knappen Dutzend Familien besteht und alle Fäden in der Wirtschaft in der Hand hält.
Aus dieser Elite stammt Lobo. Er ist Viehzüchter, Großgrundbesitzer und Mais- und Bohnen-Produzent. Er studierte in den USA, bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er zuvor in den 80er Jahren in Moskau studierte, weil er in seiner Jugend Sympathien für den Kommunismus hegte. Lobo hat alle Erinnerungen an diese Zeit aus seinem Lebenslauf getilgt. In der Sowjetunion sei er nur als Tourist gewesen, behauptet er. Seit 1990 sitzt er für die rechte Nationale Partei im Parlament von Honduras. Sollte er mal Sympathien für links gehabt haben, sind sie heute verschwunden.
Lobo steht vor einer schweren Aufgabe, die sich als unlösbar erweisen könnte. Sollte die internationale Gemeinschaft der künftigen Regierung mehrheitlich die Zustimmung verweigern, könnte er ein Präsident werden, der in seinem Land wenig Legitimität besitzt und im Ausland nicht anerkannt wird. Der gestürzte Präsident Zelaya, bezeichnet die Abstimmung als illegal. Ihm selbst bleibt aber nur das Exil, sollte das Parlament am 2. Dezember gegen seine Wiedereinsetzung stimmen.
Skeptische Nachbarn
Der Riss, der durch Honduras geht, setzt sich in der internationalen Gemeinschaft fort. Während die große Mehrzahl der Staaten Lateinamerikas unter der Führung Brasiliens dem Urnengang die Legitimität abspricht, wollen vor allem die USA, Kanada, Kolumbien und Panama sowie Peru das Ergebnis anerkennen. Voraussetzung seien freie und faire Wahlen. Allerdings kann das kaum objektiv überprüft werden, da weder die Europäische Union, noch die UN oder die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Wahlbeobachter entsandt hatten.
Lobos wichtigste Aufgabe wird es sein, das zerstrittene Land auszusöhnen. Alles andere ist zweitrangig. Dazu muss Lobo allerdings mehr aufbieten als sein ewiges Lächeln. Wie hält er es denn nun mit der Unterstützung, die Venezuelas Staatschef Chávez unter Zelaya Honduras hatte zukommen lassen? "Wir müssen sehen, was uns hilft und was uns schadet. Wir legen sehr viel Wert auf die internationale Kooperation. Ohne die Hilfe von außen wäre Honduras ja kaum lebensfähig", sagt er. Und lächelt.
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