kalaydo.de Anzeigen

Honduras: Der ewige Lächler

Der konservative Großgrundbesitzer Lobo gewinnt die nach einem Putsch umstrittene Wahl in Honduras. Porifrio Lobo ist ein freundlicher Mann von 61 Jahren. Früher wollte er die Todesstrafe einführen. Von Klaus Ehringfeld

Der Sieger: Porfirio Lobo hat  es im zweiten Anlauf an die Spitze des Staates geschafft.
Der Sieger: Porfirio Lobo hat es im zweiten Anlauf an die Spitze des Staates geschafft.
Foto: dpa

Was Porfirio Lobo am besten kann, ist lächeln. Zum Beispiel dann, wenn ihm die Fragen missfallen: "Stimmen die Gerüchte, dass Sie in der Sowjetunion studiert haben"? Lächeln. Auch wenn er nicht weiter weiß: "Welchen Einfluss wird Hugo Chávez noch haben in Honduras, wenn Sie Präsident sind"? Lächeln.

Porifrio Lobo, den alle nur Pepe nennen, ist ein freundlicher Mann von 61 Jahren. Schwer vorstellbar, dass er vor vier Jahren bei der Präsidentschaftswahl mit dem Versprechen antrat, in Honduras die Todesstrafe einzuführen, um der Gewalt der Jugendbanden Herr zu werden. Von dieser Zeit zeugt heute nur noch ein Aufkleber an der Tür zu seiner Terrasse, der eine Faust zeigt,

2005 unterlag Lobo nur äußerst knapp Manuel Zelaya. 37000 Stimmen trennten ihn damals von der Macht. Am Sonntag ging die Abstimmung eindeutiger aus. Der Bewerber der konservativen Nationalen Partei siegte mit rund 55 Prozent der Stimmen, so das Ergebnis von Nachwahlbefragungungen. Den Kandidaten der regierenden Liberalen, Elvin Santos, ließ Lobo weit hinter sich.

Zerrüttetes Land

Der Andrang vor den Wahllokalen war trotz der Boykottaufrufe Zelayas groß. Die Wahl verlief weitgehend ruhig. Nur in der Industriemetropole San Pedro Sula wurde ein Protest der Widerstandsfront gegen den Putsch mit Polizeigewalt aufgelöst. Die Putschregierung hatte 30000 Soldaten und Polizisten mobilisiert, um Ausschreitungen zu verhindern.

Putschpräsident Roberto Micheletti übergibt dem gewählten Präsidenten Lobo ein zerrüttetes Land. Zu der großen Armut und den wirtschaftlichen Problemen im drittärmsten Staat Lateinamerikas kommt jetzt die tiefe gesellschaftliche Spaltung, die der Staatsstreich vom 28. Juni verstärkt hat. In der Wahrnehmung der großen Mehrheit der Armen des Landes haben sich wieder diejenigen durchgesetzt, die Honduras ohnehin nach ihrem Gusto regieren: Die hauchdünne weiße Oberschicht, die aus einem knappen Dutzend Familien besteht und alle Fäden in der Wirtschaft in der Hand hält.

Aus dieser Elite stammt Lobo. Er ist Viehzüchter, Großgrundbesitzer und Mais- und Bohnen-Produzent. Er studierte in den USA, bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er zuvor in den 80er Jahren in Moskau studierte, weil er in seiner Jugend Sympathien für den Kommunismus hegte. Lobo hat alle Erinnerungen an diese Zeit aus seinem Lebenslauf getilgt. In der Sowjetunion sei er nur als Tourist gewesen, behauptet er. Seit 1990 sitzt er für die rechte Nationale Partei im Parlament von Honduras. Sollte er mal Sympathien für links gehabt haben, sind sie heute verschwunden.

Lobo steht vor einer schweren Aufgabe, die sich als unlösbar erweisen könnte. Sollte die internationale Gemeinschaft der künftigen Regierung mehrheitlich die Zustimmung verweigern, könnte er ein Präsident werden, der in seinem Land wenig Legitimität besitzt und im Ausland nicht anerkannt wird. Der gestürzte Präsident Zelaya, bezeichnet die Abstimmung als illegal. Ihm selbst bleibt aber nur das Exil, sollte das Parlament am 2. Dezember gegen seine Wiedereinsetzung stimmen.

Skeptische Nachbarn

Der Riss, der durch Honduras geht, setzt sich in der internationalen Gemeinschaft fort. Während die große Mehrzahl der Staaten Lateinamerikas unter der Führung Brasiliens dem Urnengang die Legitimität abspricht, wollen vor allem die USA, Kanada, Kolumbien und Panama sowie Peru das Ergebnis anerkennen. Voraussetzung seien freie und faire Wahlen. Allerdings kann das kaum objektiv überprüft werden, da weder die Europäische Union, noch die UN oder die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Wahlbeobachter entsandt hatten.

Lobos wichtigste Aufgabe wird es sein, das zerstrittene Land auszusöhnen. Alles andere ist zweitrangig. Dazu muss Lobo allerdings mehr aufbieten als sein ewiges Lächeln. Wie hält er es denn nun mit der Unterstützung, die Venezuelas Staatschef Chávez unter Zelaya Honduras hatte zukommen lassen? "Wir müssen sehen, was uns hilft und was uns schadet. Wir legen sehr viel Wert auf die internationale Kooperation. Ohne die Hilfe von außen wäre Honduras ja kaum lebensfähig", sagt er. Und lächelt.

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  1 | 12 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Neuste Bildergalerien Politik
Pro-Tibet-Proteste in Washington
Sieben Lastwagen und 15 Autos sind in der Nacht auf der A 57 bei Dormagen ineinandergerast. Foto: Oliver Berg
Toter und 13 Verletzte bei Massenkarambolage auf A 57
Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.
Was die Deutschen verdienen
Menschen formen auf dem Neumarkt in Dresden aus lauter brennenden Kerzen eine Riesenkerze.
Friedliche Anti-Nazi-Demo in Dresden
Ein Zettel mit dem Aufruf "Naziaufmärsche stoppen" von Gegnern einer Neonazi-Demonstration liegt in Dresden auf der Straße
Dresden wehrt sich gegen Neonazis
Sicherheitsleute begutachten ein beschädigtes Auto vor der israelischen Botschaft in Neu Delhi.
Anschläge auf israelische Diplomaten
Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Bayer Leverkusen Boss Holzhäuser 
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Spezial

Katholische Kirche und Reformpädagogik unter Druck: Immer mehr Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche werden bekannt.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!