Nach dem Tod mindestens eines Anhängers des entmachteten Präsidenten Manuel Zelaya droht die Situation in Honduras außer Kontrolle zu geraten. Die Polizei bestätigte am Mittwoch den Tod eines 65 Jahre alten Mannes. Er war bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften getötet worden. Ein weiterer Demonstrant soll nach Medienberichten im Krankenhaus seinen Schussverletzungen erlegen sein.
Trotz Ausgangssperre demonstrierten Tausende in den Straßen Tegucigalpas gegen die Putschregierung und forderten Zelayas Wiedereinsetzung in sein Amt. Auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verlangte in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York die Rückkehr Zelayas auf seinen Posten.
Die Putschregierung kündigte am Mittwochabend überraschend an, die Ausgangssperre für Donnerstagfrüh (Ortszeit) aufzuheben. Das Ausgehverbot galt seit Montag und hat nach inoffiziellen Angaben Verluste für die Wirtschaft in Höhe von 50 Millionen US-Dollar täglich verursacht. Als die Menschen am Mittwoch für sechs Stunden ihre Häuser verlassen durften, kam es zu Panikkäufen und chaotischen Szenen.
Derweil intensivieren sich die diplomatischen Bemühungen. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) will am Wochenende eine hochrangige Mission nach Honduras schicken, kündigte Generalsekretär José Miguel Insulza in New York an. Die Putschregierung unter Parlamentspräsident Roberto Micheletti habe das Vermittlungsangebot akzeptiert. Zugleich vereinbarten die OAS und die Europäische Union, ihre nach dem Staatsstreich vom 28. Juni abgezogenen Botschafter wieder nach Honduras zu entsenden. Sie sollten mögliche Verhandlungen mit Zelaya unterstützen, erklärte die OAS.
Die Vereinten Nationen setzten vorläufig ihre Zusammenarbeit mit der Wahlbehörde in Honduras aus. Grund seien die Unruhen und Menschenrechtsverletzungen seit Zelayas Rückkehr. Dies nähre Zweifel an der Legitimität der für den 29. November geplanten Präsidentschaftswahl. Die Bedingungen für eine "glaubwürdige Abstimmung" seien nicht gegeben, begründete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Entscheidung.
Micheletti sagte, die Präsidentschaftswahlen seien der Ausweg aus der Krise. Zelaya könne seinen Kandidaten in dem demokratischen Wahlprozess unterstützen. Sollte dieser siegen, werde dies respektiert. Zelaya bekräftigte ebenfalls seine Dialogbereitschaft, schränkte aber ein: "Mit Terroristen, die das Land als Geisel nehmen, ist ein Dialog nicht möglich." (mit dpa )
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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