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Honduras: Medien als Waffen

Honduras' Putschisten festigen ihre Macht: Sender werden geschlossen, Radio und TV gleichgeschaltet. Journalisten werden verprügelt oder außer Landes geschafft. Medial kommt der Staatsstreich nicht mehr vor. Von Klaus Ehringfeld

Soldaten hindern eine Passantin, einen Park zu durchqueren. In Honduras festigt die Putschregierung ihre Macht, während der gestürzte Präsident durch die Nachbarländer reist und um Hilfe bittet. Die Putschregierung manipuliert die Medien und schaltet Sender gleich.
Soldaten hindern eine Passantin, einen Park zu durchqueren. In Honduras festigt die Putschregierung ihre Macht, während der gestürzte Präsident durch die Nachbarländer reist und um Hilfe bittet. Die Putschregierung manipuliert die Medien und schaltet Sender gleich.
Foto: rtr

Tegucigalpa. Wer am Montagabend kurz vor 20 Uhr in Honduras seine Telenovela oder die Nachrichten auf CNN sehen wollte, schaute in die Röhre: Auf sämtlichen Bildschirmen des Landes wog stattdessen die blau-weiße Fahne des Landes im Wind, untermalt von Marimba-Musik. Dann kündigte eine knarzige Stimme die "Cadena nacional" an.

Cadena nacional ist die Gleichschaltung aller Radio- und Fernsehsender des Landes, wenn die Regierung etwas zu verkünden hat. Sie wird seit dem Putsch am 28. Juni gegen Präsident Manuel Zelaya praktisch täglich eingesetzt: Wenn die Verlängerung des Ausnahmezustands verkündet wird oder wie am Montagabend die Anhänger von Zelaya aufgefordert werden, Geld zurückzuzahlen, das der entmachtete Präsident an sie ausgezahlt hat. Nach fünf Minuten ist alles vorbei. Aber die nächste Präsidentenansprache oder die nächste Anweisung an die Bevölkerung ist längstens 24 Stunden entfernt.

Soldaten hindern eine Passantin einen Park zu durchqueren.
Soldaten hindern eine Passantin einen Park zu durchqueren.
Foto: rtr

In bester Manier klassischer Diktaturen nutzt Putsch-Präsident Roberto Micheletti die Macht der Medien für seine Zwecke oder schüchtert umgekehrt die Zeitungen, Sender oder Journalisten ein, die ihm gefährlich erscheinen. Am Tag des Staatsstreiches wurden als erstes die Sender geschlossen und von Militärs besetzt, die eindeutig auf Seiten des gestürzten Präsidenten standen. Oppositionelle Journalisten wurden festgenommen, verprügelt oder außer Landes geschafft.

So kam der Staatsstreich gegen Präsident Zelaya in 95 Prozent der Medien gar nicht vor. In den ersten Tagen nach dem Putsch konnte sich die Bevölkerung fast nicht über die Geschehnisse im Land informieren: Zahlreiche Sender, darunter das Signal von CNN, waren phasenweise abgeklemmt. Die Blätter informierten nicht über die Vorgänge in dem mittelamerikanischen Staat, sondern verliehen der Putschregierung scheinbare Legitimität, indem sie einfach alle Minister des neuen Kabinetts interviewten.

In Honduras würden die Menschen nicht informiert, sondern desinformiert, kritisiert der Medienwissenschaftler Rolando Sierra. "Unabhängige Berichterstattung, die journalistischen Objektivitätskriterien folgt, gibt es hier nicht". Auch in Zeiten, die weniger turbulent sind als diese.

In Zentralamerika im Allgemeinen und in Honduras im Besonderen sind Medien kaum Objektivitätskriterien verpflichtet. Zeitungen, Radios und TV-Sender sind vor allem ein Business wie jedes andere auch. Wer Informationen verkauft, bringt in Honduras ebenso Meeresfrüchte, edle Jeans und Fernseher oder Bankgeschäfte an den Kunden.

"Medien sind hier aber auch ein Druckmittel gegenüber der jeweiligen Regierungen, um sich diese gefügig zu machen", fügt Rolando Sierra an. Und so werden Medien im Konflikt um den Staatsstreich als publizistische Waffen eingesetzt.

So verbannten die vier großen Zeitungen des Landes, allesamt in Hand der großen, reichen und einflussreichen Familien auf Geheiß der Eigentümer das Wort "Putsch". In Einklang mit der Diktion der Umstürzler schrieben auch die Medien nur von einem "verfassungsmäßigen demokratischen" Übergang.

Wenige Tage nach dem Sturz der gewählten Regierung hob die Tageszeitung El Heraldo eine Demonstration von Zelaya-Gegnern auf die Titelseite und schrieb: "Ja zur neuen Regierung." Dass es am gleichen Tag auch eine große Protestaktion gegen die Putsch-Regierung gegeben hatte, fand sich im Innenteil als kleine Fußnote.

Autor:  KLAUS EHRINGFELD
Datum:  8 | 7 | 2009
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