Tegucigalpa. Es ist drei Monate her, dass honduranische Soldaten ihren Präsidenten Manuel Zelaya im Morgengrauen mit vorgehaltener Waffe aus dem Schlaf rissen und im Pyjama außer Landes schafften. Es gibt seither nur Verlierer: ein halbes Dutzend Tote, Hunderte Festgenommene, ein Land im Ausnahmezustand, die Wirtschaft im freien Fall und noch mehr Armut. Seit 90 Tagen ringt die internationale Gemeinschaft um eine diplomatische Lösung. Doch die ist so fern wie am 28. Juni, dem Tag des Putsches. "Erst wenn beide Kontrahenten aufhören, ihre Erklärungen als Waffen einzusetzen, ist eine Vermittlung denkbar", äußerte am Wochenende ein Diplomat.
Der Vermittler, der costa-ricanische Präsident Óscar Arias, sagte eine Reise nach Tegucigalpa ab. Er attestierte dem Parlamentspräsidenten Roberto Micheletti, der sich jetzt Staatschef nennt, mangelnde Verhandlungsbereitschaft. Dieser verweigere sich nach wie vor der Wiedereinsetzung Zelayas in sein Amt. Ein Kompromiss sei "in sehr weiter Ferne", sagte Arias dem britischen Sender BBC.
Micheletti legte sich derweil weiter mit der internationalen Gemeinschaft an. Zur Ankündigung der Europäischen Union, ihre abgezogenen Botschafter wieder zu entsenden, sagte er: "Wenn sie zurückwollen, müssen sie beim Außenministerium die Genehmigung beantragen und die aktuelle Regierung anerkennen". Das Gegenteil hat die EU-Ratspräsidentschaft im Sinn.
Zelaya klagt über Gas-Attacken
Brüssel wolle mit der Rückkehr der Botschafter zur friedlichen Lösung des institutionellen Konflikts beitragen, teilte die schwedische Ratspräsidentschaft am Samstag mit. Eine Anerkennung der Putschregierung sei damit nicht verbunden. Der Lateinamerika-Afrika-Gipfel forderte am Wochenende ebenfalls die Wiedereinsetzung Zelayas. Der gestürzte Präsident hat den Machthabern unterdessen vorgeworfen, sie hätten die brasilianische Botschaft, in der er sich aufhält, mit giftigen Gasen attackiert. Er rief die Militärs zum Widerstand auf, Micheletti verschärfte daraufhin erneut die Ausgangssperre.
In der vorigen Woche, in der vier Tage durchgehend eine Ausgangssperre galt, hat die Wirtschaft laut Finanzministerium täglich 40 Millionen Dollar verloren. Die Zentralbank schätzt, dass die politische Krise das Land mindestens ein bis zwei Prozent Wachstum kostet. Unabhängige Ökonomen kalkulieren das Minus sogar auf bis zu sechs Prozent.
Brasilien könnte Botschaft verlieren
Das Recht des Brasiliens auf eine Botschaft in Honduras ende in zehn Tagen, erklärte die international nicht anerkannte Regierung in Tegucigalpa am Sonntag. Die Machthaber haben Brasilien zehn Tage Zeit gegeben, den gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya auszuliefern oder Asyl zu gewähren. Zelaya hat sich in die brasilianische Botschaft geflüchtet und will seine Wiedereinsetzung ins Amt erzwingen. (mit rtr)
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