Washington. "Wir haben alles getan, um den Putsch zu verhindern", sagte ein ungenannt bleibender US-Regierungsvertreter nach dem ersten erfolgreichen Militärputsch in Lateinamerika seit dem Kalten Krieg. Das honduranische Militär, das eine besonders enge Zusammenarbeit mit der US-Armee pflegt, hat die Mahnungen aus dem Weißen Haus ignoriert und den linksgerichteten Präsidenten Manuel Zelaya ins Exil gezwungen.
Für den US-Präsidenten, der sich sofort "tief besorgt" zeigte und den "Respekt vor demokratischen Normen" anmahnte, wirft das Geschehen einen Schatten auf seine bisherige Strategie im früheren Hinterhof der Vereinigten Staaten. Seit einigen Jahren gibt es mit Lateinamerika das stillschweigende Übereinkommen, dass ein Mindestmaß an demokratischen Regeln oder zumindest demokratischer Fassade gewahrt wird. Was den Umgang mit linken, den USA unfreundlich gesonnenen Regierungen angeht, zielte Obamas Linie auf Entspannung, nicht auf Konfrontation oder gar Einmischung.
Das war unter seinem Vorgänger George W. Bush ganz anders, der im Jahr 2002 einen gescheiterten Umsturzplan gegen Hugo Chávez in Venezuela demonstrativ unkommentiert ließ. Entsprechend heftig rasselt Chávez nun mit dem Säbel. Caracas witterte hinter dem Geschehen den langen Arm des US-Imperialismus.
Das ist absurd. Der Kommentar aus dem Weißen Haus zum Putsch war zwar vorsichtig. Aber solche Töne sind das Markenzeichen von Obamas außenpolitischem Stil. Dahinter verbirgt sich das Bewusstsein, wie heikel das Geschehen für die Glaubwürdigkeit der USA in Lateinamerika ist. Beim Stichwort Honduras werden nämlich viele dort hellhörig: In den achtziger Jahren lieferte der damals stramme US-Verbündete das Aufmarschgebiet für den Versuch von Ronald Reagan, mithilfe der sogenannten Contras die linke Regierung im Nachbarstaat Nicaragua zu stürzen.
Konservative in den USA kritisieren Obama aus entgegengesetzter Richtung. Nicht die Tatsache, dass die USA den Putsch nicht verhindern konnten, sondern dass sie ihn nicht unterstützten, ist für das Wall Street Journal die Schwäche. Manuel Zelaya sei ein potenzieller Wahlfälscher nach dem Muster von Chávez: "Honduras schlägt nun zurück, indem es exakt seiner Verfassung folgt", heißt es dort.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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