Fünf Monate lang hat der honduranische Putschistenführer Roberto Micheletti die Vermittler hingehalten und jedes Zugeständnis, zu dem er gezwungen war, sofort wieder widerrufen. Nun ist er am Ziel: Am Sonntag wird ein neuer Präsident gewählt - unter Bedingungen, die er kontrolliert.
Unterdessen bröckelt der internationale Boykott seiner Regierung: Während die meisten Länder Lateinamerikas den Umstürzlern weiter jede Legitimation verweigern, kündigten Panama und die US-Regierung an, sie würden das Ergebnis der Abstimmung wohl anerkennen. Von einer vorherigen Wiedereinsetzung des im Juni gestürzten linksliberalen Präsidenten Manuel Zelaya ist keine Rede mehr.
Micheletti übertrug am Mittwoch die Amtsgeschäfte für die Zeit bis zum 2. Dezember an einen Ministerrat, angeblich, um den Wählern "die Überlegung" vor der Abstimmung zu erlauben. Dieser Schritt ist völlig willkürlich und könnte damit im Zusammenhang stehen, dass sich der Putschist von möglichen Gewaltexzessen der Sicherheitskräfte am Wahltag distanzieren will.
Zelaya hat resigniert
Der Widerstand in Honduras selbst konzentriert sich inzwischen auf den Boykott der Abstimmung. Der Linkskandidat Carlos Reyes zog seine Kandidatur zurück. Porfirio Lobo von der rechtsgerichteten Nationalen Partei, Bewerber mit den besten Aussichten auf den Sieg, sagte der FR: "Das ist eine untypische Wahl. Aber die Menschen wollen wählen."
Zelaya selbst, der seit Ende September im Exil in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa ausharrt, hat bereits vor längerem resigniert. Er lehnte eine Restitution unter den gegebenen Umständen ab. Dies legitimiere nur nachträglich den Staatsstreich. Er werde die Präsidentenwahl nicht anerkennen, da sie nicht unter demokratischen Bedingungen stattfinde. Die gleiche Auffassung vertreten die Regionalmacht Brasilien und Länder wie Argentinien, Venezuela, Bolivien, Ecuador und Nicaragua. Brasiliens Staatschef Lula da Silva sprach von einem "gewissen Frust" über die Außenpolitik Washingtons. Die Europäische Union hat sich noch nicht offiziell geäußert, wie sie sich zu der Abstimmung stellen will. Die honduranische "Widerstandsfront gegen den Staatsstreich" rief zu massivem Boykott der Abstimmung auf. Damit solle der "Betrug verhindert werden", sagte Juan Barahona, Koordinator der Widerstandsfront. Einer ihrer Führer, Gradis Espinal, wurde zwei Tage nach seiner Verhaftung durch die Polizei am Dienstag in der Hauptstadt Tegucigalpa tot aufgefunden. Der 58 Jahre alte Lehrer ist laut dem Komitee der Familienangehörigen verschwundener Festgenommener (Cofadeh) das 26. Todesopfer des Staatsstreichs.
Die beiden Kandidaten, Lobo und der Liberale Elvin Santos, verkörpern die Kontinuität des Systems, das Zelaya aufzubrechen versuchte. Santos, Ex-Vize-Präsident unter Zelaya, der aber im Streit mit ihm aus dem Amt schied, hat Umfragen zufolge zwischen 15 und 20 Prozentpunkte Rückstand auf Lobo von den Nationalen.
Für politische Beobachter wie den Analysten Manuel Torres haben die Putschisten ihr Ziel erreicht. Der Staatsstreich richtete sich zwar konkret gegen Zelaya, hatte aber den Hauptzweck, den Einfluss und die Ideen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in Honduras zurückzudrängen. " Zelaya hat die Notwendigkeit erkannt, in diesem Land etwas zu verändern", sagt Torres.
In den vergangenen Jahren hatte sich der ehemals konservative Großgrundbesitzer Chávez´ linkem Wirtschaftsbündnis Alba angeschlossen und viele seiner Ideen und Methoden kopiert: Er verdoppelte den Mindestlohn, schuf das staatliche Schulfrühstück, zahlte Rentnern, Häuslebauern, Studenten und Taxifahrern regelmäßige Unterstützung.
Diese Ideen und der Einfluss des venezolanischen Linksnationalisten waren vor allem den zehn Familien ein Dorn im Auge, die fast die gesamte Wirtschaft von Honduras unter sich aufgeteilt haben. Wer nach den Eigentümern von Medien, Supermärkten, und Autohäusern fragt oder nach den Franchisenehmern von Fast-Food-Ketten und Hotels, der stößt immer wieder auf die gleichen Namen: Facussé, Ferrari, Maduro oder Canahuati.
Sie haben die Fäden beim Staatsstreich gegen Zelaya gezogen - und sie haben ihr Ziel erreicht. Ob Lobo oder Santos: Beide werden als Präsident vor allem die Interessen der Eliten verfolgen. Während diese Multimillionäre sind, bleibt Honduras das drittärmste Land Lateinamerikas.
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