San José. Der Kampf um die Macht in Honduras ist am Donnerstag in eine neue Phase getreten. Der gestürzte Präsident Manuel Zelaya und sein Gegenspieler, Interims-Präsident Roberto Micheletti, kamen am Donnerstag in San José, der Hauptstadt von Costa Rica, zusammen, um unter Vermittlung ihres Amtskollegen Óscar Arias einen Dialog über die Beilegung der Staatskrise in Honduras aufnehmen.
Arias schraubte die Hoffnungen auf eine rasche Einigung bei den für zwei Tage angesetzten Gesprächen herunter: "Die Positionen beider Seiten sind sehr weit voneinander entfernt", sagte er am Donnerstagmorgen. "Es ist nur der Anfang des Dialogs, mit dem wir die Positionen annähern können."
Zelaya beschimpfte seinen Gegenspieler als "kriminellen Putschisten". Bei seiner Ankunft in Costa Rica Mittwochabend sagte er, Micheletti sei ein Krimineller, der das Volk und die Rechte der honduranischen Demokratie mit Füßen getreten habe. Zelaya, dessen Entmachtung von der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt wird, bekräftigte, dass er nicht nach San José zu Verhandlungen über seine Wiedereinsetzung in das honduranische Präsidentenamt gekommen sei. "Es wäre für alle Demokratien in Amerika eine große Verrücktheit, nicht für die Wiederherstellung eines gewählten Präsidenten einzutreten", sagte er.
Die Interims-Regierung dagegen besteht darauf, dass Zelaya nicht an die Macht zurückkehren wird. "Auf keinen Fall, er hat Straftaten begangen, für die er bezahlen muss", sagte Micheletti am Mittwoch. Das Lager Michelettis wirft Zelaya vor, das Land gegen den Willen des Parlaments in das Lager der linken Staaten unter Führung Venezuelas geführt zu haben und eine Alleinherrschaft anzustreben. Er habe mehrmals gegen die Verfassung verstoßen. Bei seiner Ankunft in Costa Rica zeigte sich Micheletti aber optimistisch. "Ich glaube, dass wir eine Lösung der Krise schaffen können", sagte er.
Die Vermittlungsgespräche waren auf Vorschlag der US-Regierung zustande gekommen. Zuvor war ein erster Rückkehrversuch Zelayas nach Honduras gescheitert. Als Vermittler wurde Arias ausersehen. Dieser hatte in seiner ersten Regierungszeit Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, dass die damals tobenden Bürgerkriege in Mittelamerika beendet wurden. Daraufhin erhielt er 1987 den Friedensnobelpreis.
Der Beginn der Gespräche hatte sich verzögert, weil Micheletti später als geplant in San José eintraf. Angeblich hatte die Flugsicherung Nicaraguas der Maschine der honduranischen Delegation das Überflugrecht verweigert. "Dadurch wird der Beginn des Dialogs in Costa Rica infrage gestellt", schrieb die Tageszeitung "El Heraldo" am Donnerstag. Zelaya war am 28. Juni gestürzt und außer Landes gebracht worden. Seitdem regiert Micheletti, der ehemalige Parlamentschef, das mittelamerikanische Land. Seine Regierung wird international bisher nicht anerkannt. (dpa)
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