Er ist ein Steher. Persönlich. Politisch. Gesundheitlich. Eine schwere Herzerkrankung, eine Affäre, aus der ein uneheliches Kind hervorging, Niederlagen in Partei und Bundestagsfraktion. Genug für drei, daran zu zerbrechen. Horst Seehofer ist immer wieder gekommen. Hat sich kurz zurückgezogen, die Welt über ihn rätseln lassen, dann war der lange Kerl wieder da. Das jungenhafte Lächeln mag im Lauf der Jahrzehnte etwas müder geworden sein. Das spöttische Blitzen dessen, der sich überlegen fühlt, hat er immer noch in den Augenwinkeln: Mich kriegt ihr nicht klein, ihr nicht!
Und jetzt sieht er seine Chance. Die CSU am Boden - wen könnte sie da besser brauchen als einen, der so viele Erfahrungen hat mit Niederlagen? Einen Kämpfer. Beim letzten Parteitag wusste er: Keine Chance gegen Erwin Huber. Trotzdem hat er kandidiert. Er braucht nicht mal zu sagen: Seht ihr, war nicht die richtige Wahl. Sie haben's ja gesehen.
Fast 40 Jahre ist der Sohn eines Bauarbeiters in der CSU, seit fast 30 im Bundestag. Gut zwei Jahrzehnte gehört er zum sozialpolitischen Establishment der Union. Er hat das große Ab erlebt, als mit Angela Merkel Friedrich Merz und der Wirtschaftliberalismus aufstiegen. Merz ist weg, der Liberalismus diskreditiert, und im Gegensatz zu Merkel musste Horst Seehofer sich nicht wandeln. Er kann sich durch die aktuelle Krise des Finanzkapitalismus bestätigt sehen. Es geht wieder aufwärts. Ein Oskar Lafontaine der CSU.
Die Partei brauche einen wie ihn, um ihr bundespolitisches Gewicht zu wahren, war eins seiner Argumente, als er Anspruch auf Edmund Stoibers Nachfolge im Parteivorsitz erhob. Nach der Wahlniederlage in Bayern, nach der Niederlage von Erwin Huber - muss Seehofer für sich werben? Tut's nicht die Lage für ihn? Alles richtig. Aber er ist nicht nur einer mit Erfahrung. Er ist einer von den Alten. Drüber hinaus hat er sich den Ruf einer Diva redlich erarbeitet. Der Horst kennt nur ein Programm, sagen sie hinter seinem Rücken. Und das heißt Horst. In der Landtagsfraktion in München hat er nicht viele Freunde, selbst in der Berliner Landesgruppe der CSU hält sich ihre Zahl in Grenzen. Seehofer müsste wohl auf den Zorn der Basis gegen das CSU-Establishment setzen. Des Establishments, dem er angehört. Aber er wird's wohl versuchen. Seine Chance nutzen. Es ist seine letzte.
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