Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

15. April 2013

Hungerstreik: Aufruhr in Guantanamo

 Von 
Aktivisten fordern die Schließung von Guantanamo.  Foto: AFP

Hungerstreikende Häftlinge attackieren Wachpersonal im US-Gefangenenlager Guantanamo, um ihre Verlegung in Einzelzellen zu verhindern. Die Wärter feuern Gummigeschosse ab. Der Aufruhr markiert den vorläufigen Höhepunkt eines seit Februar andauernden Hungerstreiks.

Drucken per Mail

Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba ist es am Wochenende zu Zusammenstößen gekommen. Mit Besenstielen versuchten Häftlinge ihre Verlegung aus Gemeinschaftsräumen in Einzelzellen zu verhindern. Nach US-Angaben feuerten die Wärter daraufhin Gummigeschosse ab. Es sei aber niemand ernsthaft verletzt worden, hieß es.

Der Aufruhr in Guantanamo markiert den vorläufigen Höhepunkt eines seit Februar andauernden Hungerstreiks, dem sich Dutzende Männer angeschlossen haben. Die verbliebenen 166 Guantanamo-Gefangenen sind zum Teil seit mehr als einem Jahrzehnt interniert und haben wenig Hoffnung, jemals vor Gericht gestellt oder freigelassen zu werden.

Die Auseinandersetzungen begannen wenige Stunden, nachdem eine Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) das Lager auf Kuba verlassen hatte. Ein Sprecher der Hilfsorganisation sagte, das IKRK habe keine Kenntnisse über die Hintergründe und den Verlauf der Zusammenstöße.

Wie die US-Armee mitteilte, hatten die Gefangenen Fenster, Trennwände aus Glas und Überwachungskameras in den Gemeinschaftsräumen mit Stofffetzen verhüllt und sich damit der Kontrolle durch das Wachpersonal entzogen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich, da Journalisten keinen ungehinderten Zugang zu den Häftlingen haben.

Auch die Angaben über die Zahl der Hungerstreikenden gehen weit auseinander. Die US-Armee erklärte zuletzt, 43 Gefangene verweigerten die Nahrungsaufnahme. 13 von ihnen würden über Sonden zwangsernährt. Dagegen erklärten Anwälte der Häftlinge, nahezu alle der 166 Lagerinsassen weigerten sich zu essen. Carlos Wagner, der mehrere Gefangene rechtlich vertritt, verurteilte die Razzia durch das Wachpersonal und sagte: „Das ist genau das Gegenteil von dem, was sie tun sollten. Das Militär sorgt für die Eskalation des Konflikts.“

Der Hungerstreik begann im Februar, als sich Häftlinge über Durchsuchungen ihrer Zellen beschwerten. Sie beklagten, Ausgaben des Korans seien unangemessen behandelt worden. Die US-Armee wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, lediglich Übersetzer, die selbst Muslime seien, dürften den Koran berühren.

Verfahren kommen nicht voran


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Das Lager Guantanamo existiert seit Anfang 2002. Dort waren zwischenzeitlich fast 800 Terrorverdächtige interniert. Mittlerweile sind es noch 166 Gefangene, die aber nach Einschätzung von Experten wenig Aussicht haben, das Lager wieder verlassen zu dürfen. Das von Republikanern dominierte US-Repräsentantenhaus in Washington blockierte in der Vergangenheit alle Bemühungen von Präsident Barack Obama, die Häftlinge auf dem US-Festland vor zivile Gericht zu stellen.

Auch die Prozesse gegen mutmaßliche Terroristen vor Militärtribunalen kommen nicht voran. So ordnete ein Armeerichter an, das Verfahren gegen Abd al-Rahim al-Nashiri um zwei Monate zu verschieben. Der Grund: Überraschend waren auf Servern des US-Verteidigungsministeriums Hunderttausende vertraulicher E-Mails entdeckt worden, die von den Rechtsbeiständen der Guantanamo-Gefangenen stammen und möglicherweise von den Militärstaatsanwälten gelesen werden konnten. Der Saudi Nashiri sitzt seit mehreren Jahren in Guantanamo. Er wird beschuldigt, für den Bombenanschlag auf das US-Kriegsschiff USS Cole im Jahr 2000 im Hafen von Aden im Jemen verantwortlich zu sein. Dabei starben 17 US-Seeleute.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Referendum

Italiens Wähler nutzten ihre Chance

Von  |
Matteo Renzi hat zu hoch gepokert.

Italienerinnen und Italiener haben gegen Renzis Referendum gestimmt, weil sie dem Ministerpräsidenten keine Vollmacht zum Durchregieren erteilen wollten. Der Leitartikel. Mehr...

Angela Merkel

Zum Weitermachen gezwungen

Elf Jahre sitzt Angela Merkel nun schon im Kanzleramt. Werden es vier weitere?

Angela Merkel hat immer wieder über ein Ende als Kanzlerin gesprochen. Aufhören konnte sie jedoch nicht - ein Wechsel in der Regierungsspitze ist eben nicht so einfach wie eine Kabinettsumbildung. Ein taktischer Rückzug ist dennoch möglich. Der Leitartikel. Mehr...

 

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung