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22. August 2012

Ikea lenkt im Streit um DDR-Zwangsarbeiter ein

 Von Markus Decker
Ikea lenkt im Streit um Zwangsarbeiter ein. 

Möbelkonzern kooperiert mit Opferverbänden

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Der Möbelkonzern Ikea lenkt im Streit um DDR-Zwangsarbeiter offenbar ein und geht bei der Erforschung seiner DDR-Geschichte einen Schritt auf die Opferverbände zu. Man werde einen neuen Vorschlag der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zu einem künftigen Forschungsprojekt sehr wohlwollend prüfen, sagte Firmensprecherin Sabine Nold am Dienstag.

Ikea hatte der UOKG zuvor per Post eine Standardabsage erteilt, in der stand, man könne nicht alle Vorhaben unterstützen. Über diese Absage hatte sich die Interessenvertretung der DDR-Opfer öffentlich beschwert und geargwöhnt, das im Frühjahr erklärte Bemühen um Aufklärung sei augenscheinlich eine „reine PR-Show“ gewesen. Nachdem diese Kritik publik geworden war, erklärte Ikea nun: „Das Schreiben ist urlaubsbedingt nicht richtig eingeordnet und bewertet worden.“

Man werde einen neuen Vorschlag der UOKG wohlwollend prüfen. Weil Ikea sich entschuldigte, nahm der Verband am Dienstag seine Kritik zurück. „Ikea hat sich im Gegensatz zu anderen Unternehmen und Institutionen sehr früh bereiterklärt, seine Verwicklungen in das Zwangsarbeitssystem der DDR zu erforschen und aufzuarbeiten“, ließ der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner mitteilen. Er gehe jetzt von konstruktiver Zusammenarbeit aus.

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hatte der Berliner Zeitung unabhängig davon bereits am Montag erklärt: „Ich habe das Gefühl, dass Ikea auf Zeit spielt und auf das kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit setzt.“ Nötig sei eine unabhängige Prüfung der Vorwürfe, wonach Ikea-Möbel in DDR-Haftanstalten und dort auch von politischen Gefangenen hergestellt wurden. Knabe verwies zudem darauf, dass das Unternehmen eine Podiumsdiskussion mit dem Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bereits im Mai abgesagt habe.

Der Konzern hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young beauftragt, die Prüfung vorzunehmen. Dabei werden Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde, des Bundesarchivs und der Landesarchive zugezogen. Ikea-Sprecherin Sabine Nold zufolge gewährleistet Ernst & Young genau das, was Knabe anmahnt.

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