Die Islamverbände äußern laute Zweifel, Religionswissenschaftler warnen vor vereinfachenden Schlüssen: Die kriminologische Studie zur Gewaltbereitschaft muslimischer Jugendlicher befeuert die Debatte um Integration und Imame. Je religiöser die Jugendlichen, desto größer ihre Neigung zu Gewalt, lautet die komprimierte Aussage der Verfasser.
Vertreter des Islamrats und des Zentralrats der Muslime widersprechen vehement. Ebenso wie Religionsoziologen der Universität Münster sehen sie Erfahrungen von Diskriminierung und Frustration als Auslöser für die Gewalt. Erfahrungen, die die Jugendlichen in ihre religiösen Gemeinschaften tragen. Und die dort von den Imamen allzu häufig nicht aufgefangen werden können.
Der Religionspädagoge Rauf Ceylan hat regelmäßig mit den islamischen Vorbetern zu tun. Die Ergebnisse seines Buch "Prediger des Islam" sind in der Studie der Kriminologen Christian Pfeiffer zitiert. Ceylan identifizierte auf Grundlage von Interviews viele Imame als "Fremde" in der Gesellschaft. Männlichkeit, Ehre und Tradition bestimmten häufig ihre Rolle. Doch Ceylan verteidigt die Imame zugleich. "Sie sind überhaupt nicht in der Lage, die Probleme der Jugendlichen zu kompensieren." Der Schlüssel liege in der Ausbildung der Imame.
Erst Anfang des Jahres hatte der Wissenschaftsrat die Empfehlung gegeben, entsprechende Studiengänge an deutschen Unis aufzubauen. Spätestens 2012 sollen in Osnabrück sechs neue Lehrstühle entstanden sein. In Münster hat der neu berufene Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ebenfalls angekündigt, sich für die Imam-Ausbildung einzusetzen.
Doch so lange die Umsetzung dieser Pläne noch unklar ist, hilft nur eine Politik der kleinen Schritte. So ist Ceylan regelmäßig in Ankara und Bursa, um dort angehende Imame auf ihre Zeit in Deutschland vorzubereiten. "Es gibt immer viele Fragen. Und die deutliche Mehrheit hat nach diesen Kursen ein differenzierteres Deutschland-Bild", sagt der Professor. Zudem kommen die Vorbeter und ehrenamtlichen Helfer aus Moscheen in ganz Deutschland zu Weiterbildungen nach Osnabrück.
Islamische Religionsstunden
"Das ist die kleine Lösung", meint Ceylan. Ein Vorschlag für die große Lösung liegt längst auf dem Tisch. "Wir brauchen islamischen Religionsunterricht für die 900000 Schüler dieses Glaubens", sagt Ceylan. Eine Haltung, die sämtliche Islamverbände sowie die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, unterstützen. Die Forderung ist nicht neu, passiert ist aber noch wenig. Seit Ende der 90er Jahre laufen in NRW und Niedersachsen erfolgreiche Schulversuche. "Aber die müssen auch irgendwann einmal enden", meint Ceylan. Letztlich geht es bei der Debatte aber auch um den Umgang der Deutschen mit dem Thema Migration. "Der Islam wird immer noch als Ausländerreligion wahrgenommen. Dabei ist er hier längst heimisch geworden", sagt Ceylan. Sein Ziel lautet deshalb: "Normalität".
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