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Immer weniger Nachwuchs: Ein eigenes Kind? Nie. Oder doch?

Trotz Elterngeld: In Deutschland kommen immer weniger Kinder zur Welt. Welche Gedanken treiben Frauen um, wenn es um die Frage geht: Nachwuchs ja oder nein? Petra Mies hat einige befragt.

2008 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 21 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt  gebracht. Bei den jeweils zehn Jahre älteren Frauen waren nur 16 Prozent ohne Nachwuchs geblieben, bei den 20 Jahre Älteren mit zwölf Prozent noch weniger.
2008 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 21 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt gebracht. Bei den jeweils zehn Jahre älteren Frauen waren nur 16 Prozent ohne Nachwuchs geblieben, bei den 20 Jahre Älteren mit zwölf Prozent noch weniger.
Foto: ddp

In Deutschland bleiben immer mehr Frauen ohne Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt die größte Haushaltsbefragung in Europa ("Mikrozensus"), die das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Rund 260.000 Frauen zwischen 15 und 75 Jahren wurden im vergangenen Jahr von den Statistikern befragt.

2008 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 21 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt gebracht. Bei den jeweils zehn Jahre älteren Frauen waren nur 16 Prozent ohne Nachwuchs geblieben, bei den 20 Jahre Älteren mit zwölf Prozent noch weniger.

Mikrozensus

In Ostdeutschland bekommen die Frauen mehr Kinder als im Westen: Von den 40- bis 75-jährigen Frauen haben in den alten Bundesländern 16 Prozent keine Kinder - in den neuen Ländern dagegen nur 8 Prozent.

In Westdeutschland steht die Kinderlosigkeit in einem direkten Zusammenhang zum Bildungsstand der Frauen: Von den Befragten ab 40 Jahre hatten 26 Prozent der Frauen mit hoher Bildung keinen Nachwuchs. Im Osten des Landes trifft dieser Zusammenhang nicht zu. Westdeutsche Akademikerinnen sind überdurchschnittlich oft kinderlos (28 Prozent).

Die Kinderlosigkeit in Städten ist höher als in ländlichen Regionen: Bei den zwischen 1974 bis 1983 geborenen Frauen haben 62 Prozent keine Kinder. In ländlichen Regionen sind nur 47 Prozent kinderlos.

Zuwanderinnen sind seltener kinderlos: Nur 13 Prozent der 35- bis 44-jährigen haben keine Kinder. Bei den in Deutschland geborenen sind es 25 Prozent.

Verheiratete bringen am häufigsten Kinder zur Welt: 2008 waren 91 Prozent der 40- bis 75-jährigen Ehefrauen auch Mutter.

Welche Überlegungen treiben Frauen heute um, wenn es um die Frage geht: Nachwuchs ja oder nein? FR-Redakteurin Petra Mies hat drei Frauen befragt.

Ein eigenes Kind? Niemals

Birgit König*, 46 Jahre, ist Geschäftsführerin und kinderlos.

"Ich finde Kinder großartig. Wann immer ich kann, kümmere ich mich um die Kinder aus Familie und Freundeskreis. Ich habe ein Kinderbuch mit herausgegeben. Ich spende an Organisationen in aller Welt, ich habe Patenschaften, Pflegekinder, bilde Netzwerke. Kinder sind mir überaus wichtig.

Aber früh war mir klar: Ein eigenes Kind? Niemals.

Schon als Jugendliche in Dortmund habe ich mir viele Gedanken gemacht, da war gewiss viel Pubertierendes dabei, doch der philosophische Kern hat sich bis heute in dieser vielfach bedrohten Welt gehalten. Kein eigenes Kind um des Kindes willen. Keinem Kind das antun, nur, weil das auch noch quasi als letztes Abenteuer neben Karriere und allem anderen noch fehlt.

Natürlich gab das Stress mit den Männern, aber ich bin ein direkter Typ. Ich habe bei früheren Beziehungen immer sofort klargestellt: Mit mir Kinder zu kriegen, das wird nichts. Da bin ich die falsche Frau. Fairplay. Es passte nicht in meine Lebensplanung und zu meiner Sicht des Universums, überhöht gesagt. Nun bin ich seit 23 Jahren mit meinem japanischen Ehemann zusammen - und er hat das immer akzeptiert.

Ich arbeite viel als Geschäftsführerin einer Audio-Video-Firma und in anderen Feldern, ich bin ständig auf Reisen. Ob damals im Wirtschaftsstudium in Dortmund oder danach: Was ich mache, mache ich ganz. Dazu passte, dazu passt kein Kind. Noch nicht einmal eigenen Hund würde ich mir anschaffen. Ich hätte nicht genug Zeit dafür, mich so zu um ihn zu kümmern, wie es gut wäre.

Vor zwei Wochen habe ich mir die Gebärmutter herausnehmen lassen, aus gesundheitlichen Gründen. Wenn ich sehe, was sich inzwischen auf diesem Feld abspielt, könnte ich die Wände hochgehen. Frauen, die weit in den Fünfzigern und voll verkrebst sind, stemmen sich gegen die Operation vor lauter Angst, ohne Uterus keine Frau mehr zu sein. Weil ja auch Sechzigjährige noch Hormone nehmen und ein Kind kriegen könnten, es ist schizoid, wohin sich das entwickelt.

Warum müssen Hollywood-Stars noch mit fünfzig Jahren Mutter werden? Oder noch älter? Es ist der Wahnsinn und gemein gegenüber den Kindern. Wollen wir bald noch mit achtzig Mutter werden? Der Horror.

Ich möchte keine Kinder kriegen, um mir etwas zu beweisen. Und ich wollte auch kein Kind für meine Mutter oder sonst wen auf die Welt bringen. Bei meinen vielen italienischen Freunden sehe ich, wie sie, auch unter dem Druck der potenziellen Großeltern, sehr spät, übrigens noch später als in Deutschland wegen der medizinischen Möglichkeiten, doch noch Eltern werden. Das ist verantwortungslos gegenüber der nächsten Generation und oftmals Egoismus pur.

Alte Eltern, die total gestresst und überfordert von allem sind, aber unbedingt noch Kinder produzieren mussten, sehe ich rundum. Ich habe es schon früher gesehen. Dann gibt es ein Freundetreffen, die Kinder sind bei anderen Freunden geparkt, und den Beruf kriegen Mama und Papa auch nicht mehr ordentlich hin. Und von der Rolle der Männer will ich gar nicht reden. Manchmal komme ich mir vor wie in der Steinzeit. Kinder kriegen um jeden Preis - und dann sterben. Nein, danke.

Meine Mutter ist zwiegespalten. Sicherlich wäre sie gerne Großmutter geworden, ich bin ein Einzelkind, sie kann meiner Argumentation aber gut folgen und respektiert mich. Mein Vater ist gestorben.

Noch einmal: Ich finde Kinder ganz toll. Und deswegen habe ich selbst keine."

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Datum:  29 | 7 | 2009
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