Berlin. Der Ausbau der privaten Altersvorsorge vor allem mit der Riester-Rente hat Deutschland insgesamt geschadet. Zu diesem Ergebnis kommt das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in einer Studie. "Gesamtwirtschaftlich wäre es effizienter gewesen, die Stärken der gesetzlichen Rente zu erhalten und das Umlagesystem über weitere Steuertransfers zu unterstützen", heißt es darin.
Laut IMK-Chef Gustav Horn hat die Riester-Rente im Zeitraum 2002 bis 2007 rund ein Prozent der Wirtschaftsleistung gekostet. Wie von der Politik gewünscht hätten die Menschen ihre Sparanstrengungen verstärkt. Entsprechend aber schwächte sich nach den IMK-Berechnungen der Konsum um eineinhalb Prozent ab. Diesen Verlust konnte die Bundesrepublik nicht durch höhere Unternehmensinvestitionen ausgleichen. Entsprechend fiel die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
Damit stützt das IMK die Position des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm (CDU), der das Umlagesystem gegen alle Kritik verteidigt. Bei dem noch immer dominierenden Umlagesystem zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit Beiträgen vom Lohn für die Renten. Bei der Kapitaldeckung spart der Einzelne.
Die Vorteile dieses Verfahren werden dem IMK zufolge aus zwei Gründen überschätzt. Erstens: Die jeweils Jungen müssen immer für die Rentenzahlungen eines Jahres aufkommen. Egal welches Rentensystem etwa 2030 gilt, die Jungen müssen für die Alten sorgen.
Entweder sie treten von dem, was sie erwirtschaften, Sozialabgaben (Umlageverfahren) ab oder Zinsen und Dividenden (Kapitaldeckung). Aus diesem Zusammenhang führt theoretisch eine Anlage des Kapitals im Ausland heraus. Wenn junge Deutsche heute ihr Geld in China investierten, hätten sie als Rentner Anspruch auf ein Stück des chinesischen Kuchens und weniger Forderungen an die jungen Deutschen. Die Risiken aber sind groß. Zudem kämpfen viele Staaten mit demografischen Problemen, auch Schwellenländer wie China.
Zweitens muss eine alternde Gesellschaft immer höhere Lasten für die Rentner auf sich nehmen, das kann sie nicht wegreformieren. Erleichterung brächte die private Altersvorsorge also nur, wenn ihre Rendite höher wäre. Das IMK zweifelt dies an und verweist auf die hohen Vertriebskosten sowie die massiven Schwankungen der Finanzmärkte.
Diese Einschätzung widerspricht dem Mainstream. Aber auch die Deutsche Bundesbank erklärt, dass von der "Umstellung auf Kapitaldeckung kein Nettogewinn" zu erwarten sei. Vielmehr sei "grundsätzlich davon auszugehen, dass sich Gewinne und Verluste praktisch ausgleichen".
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