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03. Februar 2012

Integration: Max spielt in der Kita ohne Ali

 Von Katja Tichomirowa
Noch zu selten zusammen: Kinder verschiedener Herkunft.  Foto: dpa

Migrantenkinder unter drei Jahren profitieren seltener von einer öffentlichen Betreuung. Das von Familienministerin Schröder geplante Betreuungsgeld wird die Situation nicht verbessern, monieren Kritiker.

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Es ist eine vielfach gesicherte Erkenntnis, dass vor allem Kinder aus Migrantenfamilien von früher Förderung profitieren. Tatsächlich aber werden Kinder unter drei Jahren mit Migrationshintergrund deutlich seltener in einer Kindertageseinrichtung oder durch eine Tagesmutter betreut als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.

Zahlen hierzu legte das Statistische Bundesamt am Donnerstag vor. Demnach lag die Betreuungsquote der unter dreijährigen Kinder mit Migrationshintergrund zum Stichtag 1. März 2011 bei lediglich 14 Prozent. Bei gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund lag sie dagegen mit 30 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Opposition irritiert

In den Flächenländern Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen liegt die Betreuungsquote der unter dreijährigen Migrantenkinder sogar noch unter dem Durchschnitt von 14 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass es richtig ist, neue Angebote zu schaffen, von denen vor allem Kinder mit Migrationshintergrund profitieren“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder dieser Zeitung.

„Je früher Max und Ali miteinander im Sandkasten spielen, um so besser für die Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Schröder verwies auf die von ihr 2011 initiierte Offensive „Frühe Chancen“, in der insgesamt bis zu 4000 Kindertageseinrichtungen zu „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ ausgebaut werden sollen. Das Angebot im Sinne ihrer Kinder zu nutzen, sei allerdings Aufgabe der Eltern, sagte Schröder.

Umso mehr irritiert es die Opposition, dass mit der Einführung eines Betreuungsgeldes ab 2013 die Nicht-Inanspruchnahme einer öffentlichen Kindertagesbetreuung honoriert werden soll.

So kritisierte die familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katja Dörner, die geplante Einführung einer „Fernhalteprämie in Form eines Betreuungsgeldes“ als „integrations- und bildungspolitische Katastrophe“.

Bedenken gegen das Betreuungsgeld

Mit dem geplanten Betreuungsgeld würde die Nicht-Nutzung von Kitas belohnt, so dass Kinder Angebote der frühkindlichen Bildung, die ihre Sprachentwicklung und ihr Sozialverhaltens stärken, nicht wahrnehmen könnten, sagte Dörner.

Das Verhindern einer besseren Integration von Migrantenkindern sei eines der stärksten Argument gegen die Einführung des Betreuungsgeldes, erklärte die familienpolitische Sprecherin der SPD, Caren Marks dieser Zeitung. Allerdings hätten bislang auch andere gute Argumente die Bundesregierung in dieser Frage nicht zur Einsicht bewegen können.

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor hatte am Mittwoch schwere Bedenken gegen das Betreuungsgeld geltend gemacht. Eltern einen Anreiz zu bieten, zu Hause zu bleiben und dafür Geld zu bekommen, schwäche den Arbeitsmarkt, kritisierte Andor. Er sei überrascht, dass die Bundesregierung Mütter zur Betreuung ihrer Kinder zu Hause ermutige. „Es gilt in Europa die klare Politik, die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt zu fördern.“

Herausforderungen in NRW

Das Statistische Landesamt in Nordrhein-Westfalen ermittelte unterdessen, dass der wachsende Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in vielen Ruhrgebietsstädten zu einer Herausforderungen für die Sprachförderung in den Kindertagesstätten wird. Demnach lebt jedes vierte Kita- und Kindergartenkind in Nordrhein-Westfalen in einer Familie, die zu Hause „nicht überwiegend Deutsch spricht“.

In Duisburg etwa, wo jedes zweite Kind in der Tagesbetreuung mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund hat, sprechen 38,7 Prozent der angemeldeten Vorschulkinder in ihren Familien nicht Deutsch. Ein Trend, der in den meisten Ruhrgebietsstädten in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

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