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Integrationsbeauftragte: Weniger Chancen für Ausländer

Ernüchterung: Trotz Islamkonferenz und Integrationsgipfel kommt die Integration viel zu langsam voran. Dies gelte insbesondere bei der Bildung und Ausbildung, erklärt die Integrationsbeauftragte Böhmer. Von Sigrid Averesch

Berlin. Vor fünf Jahren wurde Maria Böhmer (CDU) von der Bundesregierung als Integrationsbeauftragte berufen. Es folgte ein Integrationsgipfel, die Islamkonferenz wurde gegründet und der Nationale Integrationsplan verabschiedet, bei dem sich Bund und Länder auf Bildungsziele einigten. Inzwischen aber ist Ernüchterung eingekehrt. Die Integration komme zwar voran, aber viel zu langsam, zog Böhmer am Mittwoch in Berlin Bilanz. Dies gelte insbesondere bei der Bildung und Ausbildung. Dort sei die Lage dramatisch. "Noch kann von Chancengleichheit keine Rede sein", lautete Böhmers Fazit.

Als Konsequenz appellierte die Integrationsbeauftragte an die Länder, diese sollten endlich ein verpflichtendes, beitragsfreies letztes Kindergartenjahr einführen, die Schulen mit mehr Lehrern und Sozialarbeitern ausstatten und die Ganztagsschulen ausbauen. "Wir brauchen mehr Tempo und mehr Intensität." Ansonsten würden die selbst gesetzten Ziele nicht erreicht.

2008 haben mittlerweile 13,3 Prozent der Jugendlichen aus Zuwandererfamilien die Schule ohne Abschluss verlassen. 2005 lag der Anteil noch bei 10,8 Prozent. Bei Deutschen lag 2008 die Quote der Schulabbrecher bei sieben Prozent gegenüber 5,4 Prozent 2005.

Laut Böhmer haben es Kinder aus Migrantenfamilien auch schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Während ein Deutscher im Schnitt drei Monate nach dem Schulabschluss eine Stelle findet, sind junge Migranten 17 Monate lang auf der Suche.

Die Integrationsbeauftragte kündigte an, dass die Bundesregierung ihre Integrationsinstrumente verstärken werde. Für die Kurse, die für Neuzuwanderer verpflichtend sind, stellte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zusätzlich 15 Millionen Euro bereit. Somit stehen dafür 2011 fast 300 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Seminare, in denen neben der Sprache auch Kenntnisse über das Land und das Rechts- und Sozialsystem vermittelt werden, wurden vor fünf Jahren eingeführt. 2009 haben dem Bericht zufolge rund 71000 von 150000 Ausländern den Kurs erfolgreich absolviert, rund 3500 weniger als im Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte nahm freiwillig teil, darunter insbesondere jene, die bereits länger in Deutschland leben. Seit 2005 haben gut 600000 Menschen einen Integrationskurs belegt.

Dem Bericht zufolge sank 2009 die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer leicht auf 7,1 Millionen und damit auf einen Anteil von 8,7 Prozent. Rund 15,6 Millionen Menschen haben ausländische Wurzeln. Seite 13

Autor:  Sigrid Averesch
Datum:  8 | 7 | 2010
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