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02. März 2012

Integrationsstudie: Bunte deutsche Muslim-Jugend

 Von Markus Decker und Sabine Rennefanz
Die Integrationsstudie des Innenministeriums kommt zu dem Ergebnis: "Die Mehrzahl der befragten deutschen und nichtdeutschen Muslime ist bestrebt, sich zu integrieren."  Foto: dpa

Laut einer neuen Studie des Innenministeriums ist die Mehrheit junger Muslime integrationswillig. Aber eine starke Minderheit zeigt hohe Tendenzen sich abzugrenzen. Derweil kritisiert die FDP Bundesinnenminister Friedrich: Die Studie verschwende Steuergelder, bringe aber keine neuen Erkenntnisse.

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Laut einer neuen Studie des Innenministeriums ist die Mehrheit junger Muslime integrationswillig. Aber eine starke Minderheit zeigt hohe Tendenzen sich abzugrenzen. Derweil kritisiert die FDP Bundesinnenminister Friedrich: Die Studie verschwende Steuergelder, bringe aber keine neuen Erkenntnisse.

Berlin –  

Die Mehrheit der Muslime in Deutschland ist zur Integration bereit, eine Minderheit unter den jungen Muslimen ist allerdings integrationsunwillig. Zu dem Ergebnis kommt eine vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Lebenswelten junger Muslime“.

Lebenswelten junger Muslime

Für die Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland" wurden 700 junge deutsche und nichtdeutsche Muslime telefonisch befragt, außerdem werteten die Wissenschaftler mehrere hundert Fernsehbeiträge aus. Ziel war es, die Integrations-und Radikalisierungsprozesse von jungen Menschen zu verstehen. Befragt wurden Vertreter der dritten Generation (14 bis 32 Jahre) sowie deren Eltern und Großeltern

Darin steht: „Die Mehrzahl der befragten deutschen und nichtdeutschen Muslime ist bestrebt, sich zu integrieren.“ Demnach befürworteten 78 Prozent der deutschen Muslime Integration mehr oder weniger, während 22 Prozent eher eine zurückhaltende, die eigene Herkunftskultur betonende Haltung einnähmen. In der Gruppe der nichtdeutschen Muslime fänden sich zirka 52 Prozent, die Integration mehr oder weniger befürworten, aber auch 48 Prozent mit starken Separationsneigungen.

Weiter heißt es „Die Befragungen von Muslimen im Alter zwischen 14 und 32 Jahren ergaben jedoch auch, dass eine Subgruppe existiert, die als ,streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz‘ bezeichnet werden kann. Diese Subgruppe umfasst bei den deutschen Muslimen ca. 15 Prozent und in der Gruppe der nichtdeutschen Muslime ca. 24 Prozent.“

Umfragemethode umstritten

Als Gradmesser für die Gesinnung der jungen Muslime gelten ihre Haltung zu Israel, die Frage danach, ob sich Muslime gegen eine von ihnen wahrgenommene Bedrohung der islamischen durch die westliche Welt mit Gewalt verteidigen dürfen, oder was wichtiger sei: religiöse Gesetze oder Gesetze des Staates. Die Studie wurde von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Jacobs University Bremen, der Johannes Kepler Universität Linz sowie der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar angefertigt. Sie beruht auf einer Auswertung muslimischer Internetforen, Gruppeninterviews mit muslimischen Jugendlichen und einer Auswertung von TV-Sendern deutscher, türkischer und arabischer Sprache.

Freilich ist die Repräsentativität höchst strittig. Der Studie liegen 706 Interviews mit jungen Muslimen zugrunde. Zusätzlich wurden sechs Familien befragt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), stellte deshalb fest, die Aussagekraft sei „mehr als begrenzt“. Die Untersuchung werfe „Fragen zur methodischen Qualität auf“. Für Unmut sorgt zudem der Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Woche nach der Gedenkstunde für die Opfer des rechten Terrors. Dabei gerät Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in die Schusslinie. Er hatte das 764 Seiten starke Papier offenbar an die Bild-Zeitung lanciert und dann erklärt: „Wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten.“

FDP-Integrationsexperte Serkan Tören sagte daraufhin, das Ministerium verwende erneut Steuergelder darauf, „eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keine Erkenntnisse“. Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) sagte der Berliner Zeitung, es gebe „auch extremistische Deutsche“. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, warf Friedrich vor, er wolle Migranten auf die Anklagebank setzen.


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