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22. Februar 2011

Internetnutzer zerpflücken Guttenbergs Arbeit: Die Wut der Jungakademiker

 Von Viktor Funk und Yvonne Globert
Die Studenten der Universität Bayreuth sind sauer auf Guttenberg.  Foto: dpa

Die Gründer und Helfer des Guttenplag-Wikis werden angetrieben vom Zorn darüber, wie jemand leichtfertig die Standards der wissenschaftlichen Arbeit übergeht. Sauer sind auch die Studenten an Guttenbergs Ex-Uni.

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Die Gründer und Helfer des Guttenplag-Wikis werden angetrieben vom Zorn darüber, wie jemand leichtfertig die Standards der wissenschaftlichen Arbeit übergeht. Sauer sind auch die Studenten an Guttenbergs Ex-Uni.

Zwei verärgerte Doktoranden, eine Internetplattform, viele Freiwillige – und nach 48 Stunden Arbeit sieht es so aus, als hätte Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg der Öffentlichkeit einiges zu erklären. Wenn der Bericht stimmt, den Internetuser – unter ihnen Promovierte, Doktoranden und andere Akademiker – am Montagnachmittag vorgelegt haben, dann enthalten rund 69 Prozent der Seiten der Dissertation Plagiate.

Seit Donnerstag haben etwa 400 User auf der Seite de.guttenplag.wikia.com die Dissertation von Guttenberg auseinandergenommen. Etwa 30 User gehören zu dem harten Kern, die ihre Freizeit geopfert haben – um wissenschaftliche Standards zu verteidigen. Sowohl die beiden Gründer des Projekts (unter ihnen „PlagDoc“) als auch ein 28-jähriger Mathematiker und mindestens ein weiterer Helfer haben nach eigenen Angaben ihrerseits promoviert. Ihr Zorn darüber, wie jemand leichtfertig die Standards der wissenschaftlichen Arbeit übergehe, treibe sie an, schreibt „PlagDoc“ im Chat mit der FR.

Sauer sind auch die Studenten an Guttenbergs Ex-Uni. Gerade erst hat Benjamin Horn ein Gespräch mit einem Journalisten beendet, da steht schon der nächste vor der Tür. Wissen wollen sie alle das Gleiche: Wird in Bayreuth mehr geschummelt als anderswo? „Langsam schwappt die Geschichte auf die ganze Uni über“, sagt der Vorsitzende des Studierendenparlaments. Es geht nicht mehr nur um die Juristen.

Eine von ihnen, die in Bayreuth promoviert, ist Klara Neumann (Name geändert). Auch sie ist genervt. Wohl auch, weil mit dem Minister ihr Polit-Idol am Pranger steht: „Wie die Geschichte politisch benutzt wird, gefällt mir nicht. Zu Guttenberg ist einer der besten Politiker, die wir je hatten.“

Wie Plagiate am besten erkannt und geahndet werden, diese Frage hatte sich erst 2010 das Redaktionsteam der Bayreuther Unizeitschrift gestellt. „Das Problem wird gesehen und demnächst angegangen“, hatte Vizekanzlerin Ricarda Rabenbauer damals erklärt. Was daraus wurde? Das weiß die Pressestelle nicht.

Vielleicht könnte sich die Uni ja ein Beispiel an den Usern auf GuttenPlag nehmen. Sie haben eine These – Plagiate in Guttenbergs Dissertation –, sie definieren den Begriff Plagiat in zehn Kategorien, und dann nehmen sie die Schrift auseinander. Erst identifizierten sie die Seiten, auf denen sie Plagiate fanden. Als klar wurde, dass auf manchen Seiten mehrere Autoren benutzt, aber nicht genannt wurden, entschlossen sie sich, Plagiatszeilen ins Verhältnis zum Umfang des Gesamttextes zu setzen. Das Vorwort, die Passagen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages und das – auch kritisierte – Literaturverzeichnis sind nicht berücksichtigt. „Sonst sähe das Ergebnis noch schlimmer aus“, schrieb ein promovierter Mitstreiter der Rundschau.

Umfrage: Soll Karl-Theodor zu Guttenberg Minister bleiben?

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