Herr Pronold, kann der amtsmüde Michael Glos Wirtschaftsminister bleiben? Das Vertrauen seines Parteichefs Horst Seehofer genießt er ja immerhin.
Ich finde es schon sehr überraschend, dass Herr Glos sein Rücktrittsgesuch beim Parteichef einreicht und nicht bei der Kanzlerin. Das zeugt von mangelnder Staatskunde sowie davon, dass die CSU noch in alten Zeiten verhaftet ist. Das beste für die Koalition und unser Land wäre jetzt, wenn die CSU alle ihre Minister aus der Regierung zurückzöge.
So viele hat sie doch gar nicht.
Die Zahl macht es nicht aus. Wenn wir als SPD die Konjunkturpakete I und II nur mit der CDU verhandelt hätten - ohne die ständigen Störfeuer aus München, wären wir zu schnelleren und besseren Ergebnissen gekommen.
Erleben wir derzeit eine CSU-interne Intrige zu Lasten des Wirtschaftsministeriums?
Was sich jetzt in Berlin abspielt, hat viel zu tun mit dem personellen Umbau, den Seehofer auch in Bayern vollzogen hat. In seinem Kabinett sitzt keiner mehr, der über sechzig ist; natürlich musste Glos dies als Warnsignal auch für sich verstehen. Aber seine Enttäuschung hat auch andere Ursachen.
Die da wären?
..., dass die Kanzlerin in der aktuellen Krise lieber auf den Finanzminister hört als auf den Wirtschaftsminister; und dass Glos sich selber wohl auch als Fehlbesetzung empfindet.
Dann dürfte Seehofer ihm aber nicht sein Vertrauen schenken.
Natürlich nicht! Glos ist die "lame duck" der Bundesregierung. Er wird von ihr mitgeschleppt und tut so, als hätte er auch mitzureden. In diesen schwierigen Zeiten ist ein handlungsunfähiger und amtsmüder Minister jedoch untragbar. Hier müssen die CSU und die Kanzlerin umgehend Entscheidungen treffen.
Einen Komplett-Rückzug der CSU wird es wohl kaum geben.
Dann soll Seehofer zumindest dafür sorgen, dass dieses wichtige Ressort kompetent besetzt wird.
Springt man eigentlich so mit Leuten um, wie es Seehofer offenkundig jetzt mit Glos tut?
Die CSU ist nach wie vor eine Schlangengrube: wie vor zwei Jahren, als Edmund Stoiber in Wildbad Kreuth gemeuchelt wurde; wie jetzt, als der Regionalproporz massiv zugunsten der Oberbayern verschoben wurde. Aber niemand wird dagegen aufmucken, wie mit Glos umgegangen wird; die wissen doch alle, mit welcher Härte Seehofer sie abstrafen würde!
Gibt es etwas Freundliches, was Ihnen zu Herrn Glos einfällt?
Ich halte ihn persönlich für einen sehr netten und umgänglichen Menschen, mit dem ich mich stets gut verstanden habe. Er war und ist als Wirtschaftsminister aber der falsche Mann am falschen Platz. Dass er zu dieser Einsicht gelangt ist, ehrt ihn. Fatal wäre es, wenn Frau Merkel und Herr Seehofer nicht zu dieser Einsicht kämen.
Interview: Michael Bergius
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