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Interview: "Drohnen-Angriffe sind größte Bedrohung für Taliban"

Aurangzeb Khan Zalmay verteidigt die unbemannten Militär-Attacken der USA und fordert mehr Bildung für die Paschtunen.

Herr Khan, nicht alle, aber die meisten Taliban sind wie Sie Paschtunen. Sind Sie ein Taliban? Nein, ich bin kein Taliban. Wir Paschtunen sind friedliebende, säkulare Leute. Wir haben unsere Ehre, unser Wort ist heilig. Wir respektieren Menschen anderer Sprache, Hautfarbe oder Religion, seien es Christen, Juden oder Hindus. Der Islam ist die Religion der Toleranz und des Friedens.

Die Taliban sehen das anders. Sie kämpfen mit Suizid-Bombern und Kugeln gegen "Ungläubige".

Zur Person

Aurangzeb Khan Zalmay, 22, stammt aus dem Distrikt Bannu iu der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz, die als Hochburg der Taliban gilt. Das Militär hat dort jüngst eine Offensive gestartet.

Khan studiert Politik und Englische Literatur in Lahore im Punjab und ist Präsident der Paschtunischen Studenten-Vereinigung Lahore.

Die Taliban sind grausame und töricht tapfere Leute, die von anderen als mörderische Werkzeuge missbraucht werden. Sie beschädigen den Namen des Islam und ebenso den Namen der Paschtunen. Pakistan wird von der mächtigen Provinz Punjab an der Grenze zu Indien regiert. Über Jahrzehnte haben die Regierungen die Grenzregionen zu Afghanistan vernachlässigt und den Menschen dort Bildung vorenthalten. Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen den Extremismus. Die meisten Taliban stammen aus armen Familien, denen keine andere Wahl bleibt, als ihre Kinder an Koranschulen zu schicken. Dort werden sie mit einer Missinterpretation des Islam in die Irre geführt. In diesem Sinne sind sie auch Opfer. Viele in Pakistan glauben weiter, dass Teile des Militärs die Taliban heimlich unterstützten, weil sie sie als kostenlose Schattenarmee gegen Indien ansehen.

Ihre Heimatregion gilt als Taliban-Land. Fast täglich schicken die Amerikaner unbemannte Drohnen in die Grenzprovinzen, um Taliban-Nester auszubomben. Haben Sie Angst um Ihre Familie?

Ja, ich habe Angst um meine Familie. Aber nicht wegen der Drohnen-Attacken. Ich habe Angst, dass sie Opfer in einem Schattenkrieg werden, den die Taliban und andere Mächte dort führen. Die Terroristen haben unsere Region okkupiert und sich dort eingenistet. Die normalen Menschen sind Opfer. Sie haben ihre Sicherheit, ihre Bildungschancen, ihre Arbeit verloren. Und unsere Werte, Traditionen und Kultur sind in Gefahr. Das ritterliche Volk der Paschtunen kämpft um sein Überleben. Wir brauchen Bildung und Aufbau in unseren Regionen. Als Paschtune appelliere ich an die Weltgemeinschaft, unser Volk vor der Auslöschung zu bewahren.

Viele Pakistaner kritisieren die Drohnen-Angriffe. Sie werfen den Amerikanern vor, auch Unschuldige zu massakrieren.

Nein, die Drohnen-Angriffe treffen in der Regel das richtige Ziel, nämlich die Terroristen, und nicht die unschuldigen Leute. Die Menschen in meiner Region befürworten die Drohnen-Attacken, weil sie die Terroristen aus unserer Heimat raushaben wollen. Die Drohnen-Angriffe sind die größte Bedrohung für die Taliban. Viel hängt aber davon ab, wie zuverlässig die Informationen über das Ziel am Boden jeweils sind und ob die Taliban möglicherweise gewarnt werden. So lange Pakistan den Nato-Truppen nicht erlaubt, auf pakistanischem Boden zu operieren, bleiben Strategien wie die Drohnen-Attacken eine wirkungsvolle Waffe, um die Terroristen aus der Grenzregion zu vertreiben.

Lange hat Pakistans urbane Elite die Gefahr durch die Taliban verniedlicht und als fernes Problem in den Grenzprovinzen abgetan. Hat sich das geändert, seit Städte wie Lahore, Islamabad und Karachi immer öfter Ziel des Terrors werden?

Ja, erstmals ist so etwas wie echter Zorn auf die Taliban zu spüren. Die Eliten sehen ihr eigenes Leben und ihren Lebensstil in Gefahr. Und die Leute haben Angst. Die Straßen und Märkte in Lahore sind leerer als früher. Und man überlegt sich zweimal, ob man zu Versammlungen etwa in einer großen Moschee geht. Ich meide Polizeiposten, weil die Polizei ein Ziel der Terroristen ist. Die entscheidende Frage ist, wie ernst es dem Militär mit dem Kampf gegen die Terroristen ist. Das müssen wir sehen. Bisher wurde meist nur das Fußvolk der Taliban getötet, die Führer sind noch nicht gefasst.

Interview: Christine Möllhoff

Datum:  1 | 8 | 2009
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