Frau Sporrer, Jemen gilt als ein schwieriges Reiseland, Sie haben dort eineinhalb Jahre gelebt und reisen immer wieder dahin. Wie fühlen Sie sich dort?
Die Situation in Jemen hat sich in den vergangenen vier Jahren stark verändert. 2006, als ich mit meinem Freund dort lebte, haben wir uns frei gefühlt und haben eine schwer zu beschreibende Gastfreundschaft erlebt. Besonders gegenüber Deutschen sind die Jemeniten sehr herzlich. Damals konnten wir noch auf dem Landweg reisen, ohne Angst zu haben. Wir wussten natürlich, dass wir bestimmte Regionen, in denen Stammeskonflikte herrschten, besser meiden sollten.
Susanne Sporrer, 36, reist regelmäßig nach Jemen. Sie lebt als Autorin und Journalistin in Berlin. Von Susanne Sporrer und Klaus Heymach ist im November 2008 erschienen: Post Box Sanaa. Ein Jahr im Jemen.
Aber Entführungen hat es doch auch damals schon gegeben.
Ja. Doch das war ein mehr oder weniger kalkulierbares Risiko. Manche Stämme erpressen dadurch von der Zentralregierung etwas. Und die Entführungen gingen immer unblutig aus. Wenn man die Landessprache spricht und die Kultur ein wenig kennt, musste man wenig fürchten. Doch jetzt ist die Sicherheitslage eine ganz andere.
Jetzt sind die Reisen gefährlicher?
Es gab in den vergangenen zwei Jahren mehrere Anschläge auf ausländische Einrichtungen, wie den auf die US-Botschaft im vergangenen September oder auf eine spanische Reisegruppe zuvor. Man trifft selbst in der Altstadt von Sanaa jetzt kaum mehr auf Urlauber. Die deutsche Botschaft war bis vor Kurzem noch eine Villa mit einem Mäuerchen drumrum, jetzt steht eine bombensichere Mauer, wie um einen Bunker. Das spricht für sich.
Und die Mauer ist kaum als Schutz vor den kämpfenden Stämmen zu verstehen
Ja, eher vor El-Kaida. Die Terrororganisation hat Jemen einst als Rückzugsgebiet genutzt. Zunehmend wird er zu einem Schlachtfeld. Aber El-Kaida ist nur ein Problem, im Süden des Landes gibt es wieder eine Bewegung, die sich vom Norden abspalten will. Jemen ist ja, wie die Bundesrepublik, 1990 aus zwei Teilen zu einem Land vereinigt worden.
Müssen Hilfsorganisationen darüber nachdenken, Ihre Mitarbeiter vielleicht abzuziehen?
Auf keinen Fall! Zum einen braucht Jemen Hilfe. Das Land wächst schnell - jedes Jahr kommen 700 000 Menschen hinzu. Gleichzeitig geht das Trinkwasser langsam aus und das Öl wird knapp. Jemen braucht westliches Know-how, um mit den Problemen fertig zu werden. Und zum anderen würden Terroristen den Abzug der Helfer als Sieg deuten.
Wie lässt sich dann dort arbeiten?
Die Hilfsorganisationen müssen natürlich mehr als früher für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter sorgen. Viele Ausländer, die dort länger leben, gehen bereits nicht mehr in westliche Lokale und reisen nicht mehr. Das ist vielleicht sicherer, hat aber auch einen Nachteil: Wir haben dort als Westler ein sehr gutes Verhältnis zu unseren jemenitischen Nachbarn gehabt. Doch wenn sich die Ausländer zurückziehen, brechen diese Brücken zwischen den Kulturen zusammen.
Was würden Sie einem Touristen raten, der nach Jemen will?
Zurzeit nur eins: zu Hause bleiben. Im Moment kann man dieses wunderbare Land nicht genießen.
Interview: Viktor Funk
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