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Interview: "Rassismus nimmt in der Krise zu"

Die Rassismus-Expertin Georgina Siklossy sorgt sich um die Minderheiten in Europa. "Das ist eine beunruhigende Entwicklung", sagt sie im Interview mit der Frankfurter Rundschau

Georgina Siklossy arbeitet für das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (Enar) in Brüssel.
Georgina Siklossy arbeitet für das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (Enar) in Brüssel.
Foto: privat

Frau Siklossy, nordirische Rassisten haben 115 Rumänen mit Gewalt aus Belfast vertrieben. Ist das ein Einzelfall oder beobachten Sie bei Enar eine Zunahme von rassistischen Übergriffen in Europa?

Wir haben keine gesicherten Daten über die aktuelle Entwicklung in ganz Europa, doch unsere Mitarbeiter melden uns aus vielen Staaten eine Zunahme rassistischer Gewalt. Wir beobachten zum Beispiel, dass die Zahl der Angriffe auf Roma in Ungarn deutlich zugenommen hat - eine sehr beunruhigende Entwicklung.

Zur Person

Georgina Siklossy arbeitet für das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (Enar) in Brüssel.

Welche Gruppen werden denn besonders häufig Opfer solcher Gewalt?

Das hängt sehr stark davon ab, welche Minderheiten in dem jeweiligen Land vertreten sind. In osteuropäischen Ländern gibt es insgesamt weniger Migranten, deshalb richtet sich die Gewalt vor allem gegen Roma. In Spanien sind es eher Migranten aus Afrika.

Verschärft die ökonomische Krise, der Kampf um Arbeitsplätze etwa, das Problem?

Ja, wir befürchten, dass mit der Krise, mit der wachsenden Unsicherheit der Menschen über ihre Zukunft Rassismus zunehmen wird. Der große Erfolg rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien bei der Europa-Wahl hat gezeigt, dass diese Sorge begründet ist. Das Wahlergebnis spiegelt sicher die wachsende Fremdenfeindlichkeit in vielen EU-Staaten wider.

Sehen Sie die Gefahr, dass auch große Volksparteien und Regierungspolitiker zunehmend auf fremdenfeindliche Ressentiments setzen, um den Volkszorn von sich abzulenken?

Wir haben das ja in Österreich schon beobachtet, wo die Konservativen mit der FPÖ koaliert haben. Die Gefahr, dass es zu solchen Bündnissen kommt, nimmt sicher zu. Der Trend geht auch bei etablierten Parteien eindeutig zu einer gewissen Rhetorik à la "britische Jobs für britische Arbeiter". Wir würden uns wünschen, dass die Politiker stattdessen lieber die positive Botschaft aussenden, dass ein gleichberechtigter Zugang zu Arbeit und Bildung die Grundlage für ökonomisches Wachstum bildet.

Interview: Nadja Erb

Datum:  18 | 6 | 2009
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