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Interview: "Spendensammler stärker kontrollieren"

Trotz Spendensiegel und Transparancy International sollten Spendensammler stärker kontrolliert, findet Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Im FR-Interview erklärt er warum.

Burkhard Wilke ist Geschäftsführer des  Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen in Berlin.
Burkhard Wilke ist Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen in Berlin.
Foto: privat

Herr Wilke, warum ist die Transparenz-Initiative notwendig?

Die Währung der gemeinnützigen Arbeit heißt Vertrauen, und Transparenz schafft Vertrauen.

Das DZI vergibt selbst ein Spendensiegel. Konkurriert es mit der Initiative von Transparency International?

Nein. Beide Ansätze ergänzen einander. Das DZI-Spendensiegel bietet unabhängige Einschätzungen und sorgfältige Analysen, die wissenschaftliche Mitarbeiter des DZI erarbeiten. Das DZI-Siegel gibt Auskunft über etwa 260 Organisationen, die jährlich insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro sammeln. Die Anforderungen sind viel größer als die zehn Transparenzpunkte der Initiative.

Inwiefern?

Die Initiative ,Transparente Zivilgesellschaft will einen leichten Zugang zu den wichtigsten Basisinformationen möglichst aller Organisationen schaffen, ohne dass diese Eigenangaben näher geprüft oder ausgewertet werden.

Macht ein Nicht-Unterzeichnen der Initiative Organisationen schon verdächtig?

Das sollte jeder Spender und jedes Mitglied einer solchen Organisation selbst entscheiden. Jedenfalls setzen Unterzeichner ein deutliches positives Signal.

In welchem Bereich ist aus Sicht des DZI die Intransparenz am größten?

Noch immer sind zu viele Organisationen nicht bereit, ihre Finanzdaten regelmäßig zu veröffentlichen. Vor allem sollte transparent gemacht werden, was die Führungspersonen verdienen. Große Enthüllungen darf man da aber nicht erwarten - nach unserer Kenntnis gibt es meistens überhaupt nichts zu verbergen.

Wo sehen Sie Transparenz-Regeln am besten umgesetzt?

Vereine und Stiftungen, die sich überwiegend durch Spenden finanzieren, haben in den vergangenen Jahre gerade ihre Finanztransparenz, die Aussagekraft ihrer Jahresberichte und Internetseiten deutlich verbessert.

Reicht eine Selbstverpflichtung, wie sie die Transparenz-Initiative fordert?

Das hängt davon ab, wie viele mitmachen. Dadurch dass die Selbstverpflichtung neben dem DZI und Transparency International von mehreren Dachverbänden getragen wird, schließen sich ihr mittelfristig hoffentlich nicht hunderte, sondern tausende Non-Profit-Organisationen an.

Und wenn das nicht der Fall sein sollte?

Bleibt die Resonanz hinter unseren Erwartungen zurück, dann nimmt der öffentliche Druck auf den Gesetzgeber weiter zu, staatlicherseits mehr Transparenz zu verordnen.

Warum zögert der Staat, die Organisationen zu Transparenz zu verpflichten?

Der Gesetzgeber hierzulande setzt wie in vielen Staaten auf freiwillige Transparenz bei bürgerschaftlichen Engagement. Dahinter steht der Gedanke: Niemand ist gezwungen, zu spenden oder sich ehrenamtlich zu betätigen. Deshalb sollten auch die Organisationen, die auf diesen Einsatz angewiesen sind, schon aus eigenem Interesse alle wesentlichen Informationen offen legen.

Bräuchte es stärkere Kontrollen durch die Behörden?

Ja. Nach Auffassung des DZI sollte der Staat etwa bei der Aufsicht von Spendensammlern den Bürgern einen Basisschutz bieten. Vorbild könnte das Bundesland Rheinland-Pfalz sein. Dessen sehr aktive Aufsichtsbehörde, die erstaunlich wenig, aber sehr kompetente Leute hat, verbietet jährlich etwa 10 bis 15 dubiose Spendensammlungen.

Interview: Felix Guth und Matthias Thieme

Datum:  21 | 6 | 2010
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