Professor Neukum, nach den Mondflügen der US-Astronauten galt der Mars als das natürliche nächste Ziel. Warum wurde daraus noch nichts?
So einfach kommt man nicht zum Mars. Mächtige Raketen sind notwendig, und für die Reisezeit können Sie mehrere Jahre einplanen, denn Mars und Erde müssen in günstigem Abstand zueinander sein. Die Astronauten sollen deshalb fast ein Jahr auf dem Mars bleiben, bis sie die Rückreise antreten. Warten in einem Habitat auf dem Mars heißt aber, dass man ohne Hilfe von der Erde überleben muss. Das ist nicht einfach in einer extrem lebensfeindlichen Umgebung.
Was macht den Mars für Planetenforscher so interessant?
Er ist vor allem für Exobiologen interessant, denn der Mars ist der erdähnlichste Planet im Sonnensystem. Es gibt die Vermutung, dass dort noch Leben existiert oder zumindest einst existiert hat.
Ist das nicht extrem gefährlich? Womöglich werden gefährliche Keime zur Erde zurückgebracht, gegen die wir keine Abwehrkräfte haben.
Denkbar ist das, deshalb werden in all diesen Programmen Quarantänevorschriften berücksichtigt. Das nimmt man sehr ernst.
In einem Mars-Meteoriten wurden angeblich Reste von Mikroben entdeckt. Was halten Sie davon?
Das ist heute extrem umstritten – ausgeschlossen ist es nicht. Dass Meteoriten vom Mars oder Mond zur Erde gelangt sind, ist durch zahllose Funde belegt.
Welche weiteren Befunde stützen die Vermutung, dass es auf dem Roten Planeten Leben geben könnte?
Leben benötigt nach landläufiger wissenschaftlicher Meinung Wasser. Immer mehr Funde zeigen, dass es zumindest vor rund 3,5 Milliarden Jahren große Mengen Wasser auf dem Mars gegeben hat. Damals herrschten Temperaturen bis zu 20 Grad – Bedingungen, die für die Entwicklung von Leben sehr günstig waren. Später allerdings wurde der Mars durch Schwefelverbindungen immer saurer. Aber da hat sich das Leben dann möglicherweise in Nischen zurückgezogen.
In Science-Fiction-Filmen werden häufig wertvolle Rohstoffe auf fernen Planeten abgebaut. Ist Bergbau auf dem Mars denkbar?
Das erleben wir nicht mehr. Bevor man auf dem Roten Planeten beginnt, wird man erst einmal den Mond anschauen, dort gibt es abbauwürdige Vorkommen, darunter auch die Seltenen Erden für die Computertechnologie.
China baut jetzt eine eigene Raumstation auf und schickt eine Sonde zum Mars. Gibt es ein neues politisches Wettrennen im Weltraum?
Ja, und die USA werden nicht einfach zuschauen. Ich hoffe auf einen Wettstreit zum Nutzen der Weltraumforschung. Die Chinesen sollte man da nicht unterschätzen.
Das Gespräch führte Karl-Heinz Karisch.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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