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Interview mit Django Asül: "Traummann Stoiber"

Der niederbayerisch-türkische Politsatiriker Django Asül über Bayern und Deutsche.

Django Asül,  niederbayerisch-türkischer Politsatiriker.
Django Asül, niederbayerisch-türkischer Politsatiriker.
Foto: dpa

Herr Asül, ein großes Erdbeben hat den Freistaat erschüttert. Geht es Ihnen noch gut?

Mir geht es prima. Zur Information: Nicht ich bin CSU-Chef oder Ministerpräsident, sondern die Herren Huber und Beckstein. Und wenn ich zum Fenster hinausschaue, ist auch noch alles an seinem Platz. Mensch und Natur scheinen also keinen Schaden genommen zu haben. Als Satiriker muss ich mich natürlich von der Illusion verabschieden, dass ich wenig zu tun habe in nächster Zeit.

Jenseits des Weißwurstäquators hätten 43 Prozent Freudentänze zur Folge. Sind die Bayern jetzt endlich normal geworden?

Den Anfang machte Edmund Stoiber mit seiner Flucht aus Berlin. Der Edmund hatte gemerkt: Als Bayer unter Deutschen wird es schwer. Das nahm ihm der Bayer schon übel. Als Nächstes kam Klinsmann nach Bayern und muss jetzt auch feststellen: Als Deutscher unter Bayern erntet man Argwohn und Skepsis. Jetzt wankt sogar das Monument FC Bayern. Ist es Zufall, dass einer der Aufsichtsräte dort Edmund Stoiber heißt? Und dann sitzt die CSU in Berlin am Tisch einer Koalition, die unter dem Label "Not gegen Elend" das Motto "Mit Vollgas zum Stillstand" erfolgreich praktiziert. Das gefällt dem Bayern auch nicht.

Rauchverbot oder Frau Becksteins Dirndl-Phobie - was fehlt den Christsozialen: überzeugende Inhalte oder das Charisma?

Der Wähler will halt Stabilität und mehr Geld in der Tasche. Das ist derzeit nicht so leicht zu ermöglichen. In der Opposition gegen Rot-Grün auf Bundesebene konnte sich die CSU gut positionieren. Im aktuellen Wahlkampf war Frau Merkel selber die Opposition zur CSU, weil sie Pendlerpauschale und Entlastungen für den Bürger für den eigenen Wahlkampf aufheben will. Die großen Themen, die die CSU selber tatsächlich hätte durchsetzen können, gab es nicht. Dazu reagierte sie wohl zu spät auf Stoibers Karacho-Aktionen mit G8 und Verwaltungsreform. Wenn der Bayer sich von den Oberen ignoriert fühlt, kann das kein Charisma dieser Welt auffangen.

SPD-Spitzenkandidat Franz Maget hat keinen Grund zur Freude, freut sich aber trotzdem. Ist diese politische Sehschwäche spezifisch für Bayern?

Die SPD hat sich damit abgefunden, dass der Bayer sie hinnimmt, aber nicht ernst nimmt. Die SPD hat keine Ziele mehr, sondern nur den Wunsch, dass wenigstens die CSU nicht mehr allein regiert. Der Sozialdemokrat kann sich also über seine desolate Lage freuen, wenn er sieht, dass es anderen jetzt auch ein bisschen schlechter geht. Und wenn Herr Maget sagt, "ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen", ist das zwar rührend - aber solche extremen Auswüchse der Ironie sollte er schon uns Kabarettisten überlassen.

Wer kann die CSU noch retten?

Aus satirischer Sicht wäre Edmund Stoiber natürlich ein Traum. Immerhin hat er die Partei in diese Situation gebracht. Deswegen wollte ihn die Partei auch loswerden. Da könnte die SPD nur noch kontern, indem sie Kurt Beck zum Gegenkandidaten von Horst Köhler ausruft. Unterm Strich darf man nicht vergessen: Wer 43 Prozent hat, ist kein Kandidat für eine Rettung. Der Wähler hat lediglich den Wunsch nach einem Aufpasser, der die CSU vor selbstgefälligen Überflügen bewahrt.

Interview: Ninette Krüger

Datum:  30 | 9 | 2008
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