Herr Yazdi, was ist während der Präsidentschaftswahlen passiert?
Das weiß niemand. Die Behörden haben Wahlresultate bekannt gegeben, das ist ihre Sicht der Dinge. Dagegen haben die Kandidaten Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi Protest eingelegt. Das ist ihr verbrieftes Recht. Eigentlich müsste der Wächterrat diese Beschwerden entgegennehmen, prüfen und innerhalb einer Woche eine Antwort geben. Doch das ist nicht geschehen. Stattdessen wurden die Endergebnisse ungeachtet der Einsprüche für gültig erklärt. Nun haben viele Menschen spontan reagiert und protestiert. Leider gibt es auch Gewalt in den Straßen, was wir ablehnen. Die Reformbewegung im Iran ist friedlich. Beide Reformkandidaten müssen ihre Leute jetzt ermahnen, nicht zur Gewalt zu greifen.
Ebrahim Yazdi (78) ist Chef der illegalen oppositionellen Freiheitsbewegung und war Vize-Premier. Er trat aus Protest gegen die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran am 4. November 1979 von seinem Amt zurück.
Seit 1995 ist Yazdi Chef der Oppositionspartei "Freiheitsbewegung", die das Regime 2002 für illegal erklärte. Im FR-Interview appelliert er, auf Gewalt zu verzichten.
Die ganze Auszählung wirkt wie ein abgekartetes Spiel. Was denken Sie?
Die Behörden haben den Mitarbeitern aller anderen Kandidaten nicht gestattet, die Wahllokale zu überwachen. Auch bei der abschließenden Addition der Stimmen im Innenministerium waren keine unabhängigen Beobachter zugelassen. Was sich da abgespielt hat, wissen wir nicht. Ein anderer bedenklicher Punkt sind die vielen tausend mobilen Wahlurnen. Nahezu 30 Prozent aller Wahlurnen waren diesmal mobil. Sie wurden eingesetzt ohne jede unabhängige Überwachung.
Glauben Sie, dass Präsident Mahmud Ahmadinedschad einen Staatsstreich plant und eine Diktatur errichten will?
Wir wissen nicht genau, was vorgeht. In den letzten 24 Stunden wurden viele Leute verhaftet, unter anderem die gesamte Führung der Front der Partizipation und viele andere. Wir wissen auch nicht, was mit Herrn Mussawi und Herrn Karrubi geschehen ist. Es gibt Gerüchte, dass Herr Mussawi unter Hausarrest gestellt wurde. Von Herrn Karrubi gibt es gar keine Nachrichten.
Interview: Martin Gehlen
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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