Wie bewerten Sie das Urteil?
Es könnte sich als Pyrrhussieg für den Vater erweisen. Der Familiensenat hat die untere Instanz beauftragt, die Lebensumstände zu überprüfen. Es kann sein, dass die Krankheit des Jungen einer vollen Erwerbstätigkeit seiner Mutter im Weg steht. Eindeutig ist aber in diesem Urteil, dass das starre Altersphasenmodell ausgedient hat.
Muss der Staat nun die Betreuungssituation verbessern?
Ich hoffe, dass die Frauen für eine bessere Kinderbetreuung kämpfen. Sie wollen erwerbstätig sein und sie könnten es, wenn die Bedingungen stimmen. Die Gesellschaft muss daran interessiert sein, dass Frauen ihren Beruf ausüben. Sie sind in aller Regel bestens ausgebildet. Wir können es uns doch gar nicht leisten, auf Rentenbeiträge und Steuern der Hälfte der Bevölkerung zu verzichten.
Was bedeutet das Urteil für die Institution Familie?
Ich könnte mir vorstellen, dass Frauen und Männer künftig ihre Beziehung partnerschaftlicher planen. Es ist ja kein Naturgesetz, dass die Frau eine längere Kinderpause macht, weil sie (oft für die gleiche Arbeit) weniger verdient. Beide hätten mehr davon, wenn jeder eine Zwei-Drittel-Stelle macht. Gut ist auch, dass die Gerichte gezwungen werden, stärker den Einzelfall zu bewerten. Das kann mehr Gerechtigkeit für die Nachscheidungsfamilie schaffen.
Interview: Monika Kappus
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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