Herr Funes, 17 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs stehen sich die alten Konfliktparteien noch immer feindlich gegenüber
Die Regierungspartei Arena muss verstehen, dass ihre historische Option vorbei ist. El Salvador braucht eine neue Richtung. Die 20 Jahre, die die Rechte an der Macht war, haben nur einigen wenigen gedient. Sie haben den Staat für ihre Interessen missbraucht. Wenn Arena an der Macht bleibt, geht unser Land vor die Hunde. Präsident Saca sagte, kein Land sei besser auf die Folgen der Krise vorbereitet als El Salvador. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind das anfälligste Land.
Mauricio Funes (49) gilt als Favorit bei der Präsidentenwahl in El Salvador. Seine FMLN ging aus der Guerilla hervor. Sollte Funes am Sonntag siegen, käme erstmals in der Geschichte des mittelamerikanischen Landes ein linker Politiker an die Macht. Etwa 4,3 Millionen Bürger El Salvadors stimmen am Wahltag ab.
Weil alles auf die USA ausgerichtet ist?
El Salvador ist ein kleines Land und hat nicht viel Handlungsspielraum. Die Krise in den USA trifft uns härter als andere Staaten, weil wir einen Freihandelsvertrag haben, ein Drittel unserer Bevölkerung dort lebt und wir von ihren Auslandsüberweisungen abhängen. Die machen ja 18 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts aus.
Und wie werden Sie auf die Krise reagieren?
Wir werden die Kaufkraft der Salvadorianer verbessern, die Gehälter erhöhen, die Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel und Medikamente streichen und eine Vertrauensbotschaft an die Unternehmer senden. Ich will weder den Sozialismus einführen noch das Wirtschaftssystem ändern, sondern das aktuelle System stärken und dem Staat eine stärker regulierende Rolle zugestehen. Der Neoliberalismus ist gescheitert.
Die Regierung behauptet, unter einem Präsident Funes würde sich El Salvador in einen Satelliten Venezuelas verwandeln.
Der Wahlkampf war von einem Klima der Polarisierung geprägt, aber meine Kandidatur zeigt, dass die Linke in El Salvador gereift ist. Die FMLN ist keine linksextreme Partei mehr. Ich habe Chávez nie als Kandidaten getroffen, sondern ihn nur zweimal interviewt, als ich noch als Journalist arbeitete. Die Art der Politik von Chávez bekommt El Salvador nicht. Wir können uns nicht leisten, zu den USA auf Konfrontationskurs zu gehen. Außerdem widerspricht das Übermaß an Macht, das er angehäuft hat, meinen demokratischen Überzeugungen. Ich orientiere mich mehr an der Regierung von Lula da Silva in Brasilien. Ihm ist es gelungen, den Unternehmern die Angst vor den Linken zu nehmen, Wirtschaftswachstum zu schaffen und die Armut zu bekämpfen.
Interview: Klaus Ehringfeld
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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