kalaydo.de Anzeigen

Interview mit Mauricio Funes: "Kein Konfrontationskurs zu USA"

Der linke Präsidentschaftskandidat El Sajvadors, Mauricio Funes, gilt als gemäßigter Politiker. Die FR sprach mit ihm über das kleine Land in Zeiten der großen Krise.

Mauricio Funes (49) gilt als Favorit bei der Präsidentenwahl in El Salvador. Seine FMLN ging aus der Guerilla hervor.
Mauricio Funes (49) gilt als Favorit bei der Präsidentenwahl in El Salvador. Seine FMLN ging aus der Guerilla hervor.
Foto: afp

Herr Funes, 17 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs stehen sich die alten Konfliktparteien noch immer feindlich gegenüber…

Die Regierungspartei Arena muss verstehen, dass ihre historische Option vorbei ist. El Salvador braucht eine neue Richtung. Die 20 Jahre, die die Rechte an der Macht war, haben nur einigen wenigen gedient. Sie haben den Staat für ihre Interessen missbraucht. Wenn Arena an der Macht bleibt, geht unser Land vor die Hunde. Präsident Saca sagte, kein Land sei besser auf die Folgen der Krise vorbereitet als El Salvador. Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind das anfälligste Land.

Zur Person

Mauricio Funes (49) gilt als Favorit bei der Präsidentenwahl in El Salvador. Seine FMLN ging aus der Guerilla hervor. Sollte Funes am Sonntag siegen, käme erstmals in der Geschichte des mittelamerikanischen Landes ein linker Politiker an die Macht. Etwa 4,3 Millionen Bürger El Salvadors stimmen am Wahltag ab.

Weil alles auf die USA ausgerichtet ist?

El Salvador ist ein kleines Land und hat nicht viel Handlungsspielraum. Die Krise in den USA trifft uns härter als andere Staaten, weil wir einen Freihandelsvertrag haben, ein Drittel unserer Bevölkerung dort lebt und wir von ihren Auslandsüberweisungen abhängen. Die machen ja 18 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts aus.

Und wie werden Sie auf die Krise reagieren?

Wir werden die Kaufkraft der Salvadorianer verbessern, die Gehälter erhöhen, die Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel und Medikamente streichen und eine Vertrauensbotschaft an die Unternehmer senden. Ich will weder den Sozialismus einführen noch das Wirtschaftssystem ändern, sondern das aktuelle System stärken und dem Staat eine stärker regulierende Rolle zugestehen. Der Neoliberalismus ist gescheitert.

Die Regierung behauptet, unter einem Präsident Funes würde sich El Salvador in einen Satelliten Venezuelas verwandeln.

Der Wahlkampf war von einem Klima der Polarisierung geprägt, aber meine Kandidatur zeigt, dass die Linke in El Salvador gereift ist. Die FMLN ist keine linksextreme Partei mehr. Ich habe Chávez nie als Kandidaten getroffen, sondern ihn nur zweimal interviewt, als ich noch als Journalist arbeitete. Die Art der Politik von Chávez bekommt El Salvador nicht. Wir können uns nicht leisten, zu den USA auf Konfrontationskurs zu gehen. Außerdem widerspricht das Übermaß an Macht, das er angehäuft hat, meinen demokratischen Überzeugungen. Ich orientiere mich mehr an der Regierung von Lula da Silva in Brasilien. Ihm ist es gelungen, den Unternehmern die Angst vor den Linken zu nehmen, Wirtschaftswachstum zu schaffen und die Armut zu bekämpfen.

Interview: Klaus Ehringfeld

Datum:  14 | 3 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!