Herr Barghouti, werden die Palästinenser auf die israelischen Angriffe mit der dritten Intifada reagieren, zu der Vertreter der radikal-islamischen Hamas aufgerufen haben?
Wenn Sie damit einen massenhaften friedlichen Kampf meinen, dann hat dieser bereits begonnen - vor allem im Westjordanland, wo überall Palästinenser gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen auf die Straße gehen. Allerdings gehen Israelis auch gegen friedliche Demonstranten gewalttätig vor. Gerade eben haben sie auf Friedensaktivisten in Jenin im Westjordanland geschossen. Dabei starb ein Demonstrant.
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Was passiert als nächstes?
Ich erwarte noch viel mehr Tote, wenn die israelischen Panzer in den nächsten Stunden in den Gazastreifen vorrücken sollten. Dieser ganze Angriff ist aber keine Attacke auf die Hamas, sondern auf die palästinensische Bevölkerung. Dies ist die am dichtesten besiedelte Gegend der Welt. Wenn sie tonnenweise Bomben abwerfen, dann treffen sie nun mal Unschuldige. Diese Opfer sind für das israelische Militär lediglich Kollateral-Schäden.
Israel drohte mit einer Attacke auf den Gazastreifen, wenn militante Palästinenser nicht aufhören, israelische Zivilisten mit Raketen zu beschießen.
Israel - und nicht die Hamas - brach die Waffenruhe zwei Monate bevor sie endete mit einem Angriff in Chan Junis, bei dem mehrere Menschen starben. Erst dann reagierte die Hamas. Außerdem war vereinbart, dass mit der Waffenruhe die israelische Blockade endet. Das geschah aber nie. In der Folge fehlt es an ausreichend Nahrung, an Öl, an einfach allem. So starben viele Palästinenser, weil sie von Ärzten aus Mangel an Medikamenten nicht richtig behandelt werden konnten.
Sehen Sie einen Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt?
Israel wäre nicht so weit gegangen, wenn die internationale Gemeinschaft so laut geschwiegen hätte zu der israelischen Blockade des Gazastreifens. Nur ein starker internationaler Druck wird Israel stoppen. Das israelische Vorgehen wird nur die Hamas stärken. Wir haben das alles bereits erlebt, etwa bei dem Krieg im Libanon. Damit schafft sich Israel die Feinde wie die Hamas und die Hisbollah selbst.
Was fordern Sie von Israel?
Israel muss die Besetzung der palästinensischen Gebiete beenden. Die Gewalt ist lediglich ein Symptom der Krankheit Okkupation, die seit Jahrzehnten andauert. Vorher wird es keinen Frieden geben.
Was muss die radikal-islamische Hamas ändern?
Die Hamas würde eine Zwei-Staaten-Lösung akzeptieren, wenn sie eine Chance dazu bekäme. Wenn Palästinenser aber weiter so in die Ecke getrieben werden, dann werden sie sich weiter selbst verteidigen - auch mit ihren eher primitiven Mitteln.
Erwarten Sie Hilfe von der arabischen Welt?
Einige arabische Länder werden schweigen, andere werden etwas sagen. Auf der Straße ist die Meinung jedoch eindeutig. Israel hat die palästinensischen Zivilbevölkerung zu Unrecht attackiert und viele Unschuldige getötet. Israel spielt also mit der Stabilität der ganzen Region.
Welche Hoffnungen knüpfen Sie an den künftigen US-Präsidenten Obama?
Er soll sich auch im Nahen Osten für dieselben Werte wie Freiheit und Gleichheit stark machen, die er in seinem Wahlkampf propagiert hat. Daraus ergibt sich eine Regel: Ein palästinensisches Leben muss genauso wichtig sein wie ein israelisches. Wenn er sich daran hält, wird es bald einen Frieden im Nahen Osten geben.
Interview: Andreas Schwarzkopf
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