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Interview mit ZdK-Vize Brockmann: "Anfang eines Dialogs"

Heinz-Wilhelm Brockmann, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zur Papst-Entscheidung.

Heinz-Wilhelm Brockmann ist Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Heinz-Wilhelm Brockmann ist Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Foto: Privat

Warum sucht Papst Benedikt die Nähe zu Holocaust-Leugnern?

Ich glaube, der Papst versucht, mehr Einheit in der Kirche herzustellen. Der Vatikan geht auf eine Gruppe zu, die sich in vielen Fragen von der Kirche entfernt hat. Sie leugnet ganz zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils etwa in der Liturgie und der Religionsfreiheit.

Hat der Vatikan diese Reaktionen unterschätzt oder in Kauf genommen?

Diese Reaktionen sind vielleicht nicht bedacht worden, weil man im Vatikan innerkirchlich gedacht hat. Es ist ja grundsätzlich vernünftig, mehr Einheit und Einigkeit zu schaffen, Brücken zu bauen zu Menschen, die am Rand oder außerhalb der Kirche stehen. Entscheidend ist, ob dieser Schritt der Anfang eines Prozesses ist, an dessen Ende die konservative Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil anerkennt, und zwar ohne Abstriche und eigene Deutungen.

Wenn der Vatikan die Kritik nicht bedacht hat, ist das Risikomanagement sehr schlecht?

Vielleicht sind in den Gesprächen zwischen dem Vatikan und der Bruderschaft in den vergangenen Wochen Fortschritte erzielt worden. Durch die Aufhebung der Exkommunikation wird die Bruderschaft zum Gesprächspartner. Vielleicht war das die Bedingung für weitere Gespräche.

Ist der Schaden nicht größer als der Nutzen?

Man muss mit seinem Urteil vorsichtig sein. Die Leugnung des Holocaust durch den britischen Bischof Williamson ist völlig unakzeptabel und eine schreckliche Verbohrtheit. Man darf aber auch nicht überziehen. Wenn ein Bischof in einer politischen und geschichtlichen Bewertung sich so vergreift, dann heißt das für mich nicht, dass der Papst bei der gesamten Bruderschaft bei einer Exkommunikation bleiben muss, die aus ganz anderen Gründen ausgesprochen worden ist.

Belastet die umstrittene Entscheidung den geplanten Israel-Besuch von Papst Benedikt?

Ich glaube, der Vatikan kann die Kultur eines einfühlsamen Dialogs mit Juden intensivieren. Der Streit um die Karfreitags-Fürbitte hat gezeigt, dass die Kunst des klaren und rechtzeitigen Dialogs mit Gruppen außerhalb der katholischen Kirche vielleicht verbessert werden kann. Kardinal Kasper hat dies ja nachträglich gezeigt.

Einem Laien fällt es schwer, die "Haltung der Barmherzigkeit" bezüglich einer Gruppe zu teilen, die Errungenschaften wie die Ökumene, die Religionsfreiheit und vieles mehr ablehnt.

Der verstorbene Erzbischof Lefebvre und seine Anhänger haben sich von der katholischen Kirche entfernt, weil sie das letzte Konzil und seine Lehre zum Beispiel in diesen Fragen ablehnen. Da war der Ausschluss die letzte Konsequenz. Die Aufhebung der Exkommunikation macht nur Sinn, wenn dies der Anfang eines neuen Dialogs ist. An dessen Ende wird der Papst sicher nicht die umstrittenen Positionen anerkennen. Der Bruderschaft muss klar gemacht werden, dass ein Konzil die Lehre der katholischen Kirche definiert und dass die Kirche diesen Beschlüssen folgen will.

Interview: Andreas Schwarzkopf

Datum:  26 | 1 | 2009
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