Der Plan der großen Koalition, Klarheit über die Endlager-Suche zu schaffen, ist Makulatur. Sie müssten zufrieden sein: So wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Gorleben kommt, oder?
Nein, die Verzögerung ist unverständlich und fahrlässig. Im Atomkonsens wurde 2000 festgelegt: Zweifelsfragen zur Eignung von Gorleben sollen geklärt werden. Das war schon 2005 abgeschlossen. Ergebnis: Es gibt nichts, was der Fortsetzung der Erkundung des Salzstocks widerspricht. Also muss man es schleunigst tun. Bei Schacht Konrad, dem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, läuft die Sache korrekt. Warum nicht in Gorleben?
Walter Hohlefelder ist Präsident des Deutschen Atomforums. Der Jurist war Geschäftsführer der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Köln und Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, bevor er 1994 in die Stromwirtschaft wechselte. Zuletzt war er Vorstand beim Eon-Konzern.
Umweltminister Gabriel will die Suche neu starten, da Gorleben 1977 auch aus politischen Gründen gewählt wurde. Es ist doch wichtig, das Manko zu heilen.
Ich bestreite, dass es eine politische Auswahl war. Es ging nachweisbar streng nach sachlichen, vor allem geologischen Kriterien. Es gibt also keinen Anlass, neu mit der Suche zu beginnen.
Süddeutschland wurde damals nicht berücksichtigt.
Weil es dort keine Salzstöcke gibt.
Aber geeignete Tongesteine, so bei Ulm. Die Schweiz will ein Lager im Ton bauen. Es sei ein "Material mit großen Vorteilen".
Ton ist genauso gut geeignet wie Salz. Nur: Die Salzstöcke sind untersucht, und die Erkundung in Gorleben ist weit fortgeschritten. Da ist nur noch wenig zu tun. Kein Grund, hier nicht zügig zu einem Ergebnis zu kommen.
Baden-Württemberg und Bayern sperren sich dagegen, dass auch dort untersucht wird. Das ist ein Grund für die Blockade.
Das ist nicht unser Thema. Wir sagen: Untersucht Gorleben fertig. Ist es geeignet, kommt ein Genehmigungsverfahren mit voller Bürgerbeteiligung. Ist es nicht geeignet, muss man die Endlagersuche neu aufmachen. Dann wird man alle geeigneten Gesteinsformationen einbeziehen.
Gabriel sagt: Eine neue Suche ist sofort nötig. Sonst könnten Gerichte eine Gorleben-Genehmigung kippen, da nicht gecheckt wurde, ob es bessere Lager gibt.
Dieses Argument zieht nicht. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Fall Konrad geurteilt: Es braucht keine alternative Suche.
Sie plädieren für längere AKW-Laufzeiten. Nehmen Sie in Kauf, dass die Endlagersuche damit weiter erschwert wird?
Wir brauchen ein Endlager, weil der hochaktive Atommüll schon da ist. Zusätzliche Mengen fallen da praktisch nicht ins Gewicht.
Der Atomkonsens hat Konflikte entschärft. Kommt Gorleben, drohen wieder neue große Castor-Schlachten. Keine Sorge?
Die Mehrheit der Bürger vor Ort ist für die Weitererkundung. Dennoch könnte der Widerstand der Gorleben-Gegner wachsen. Aber so ist es überall, wo Großprojekte geplant sind. Beim Ausbau des Frankfurter Flughafen ist es nicht anders. Das muss man aushalten und sich damit auseinander setzen. Ein Endlager zu bauen, ist die Verantwortung unserer Generation, egal, ob man für oder gegen die Kernenergie ist.
Die Stromkonzerne wollen nicht schlicht die vielen Millionen sparen, die die neue Suche kostet?
Sie würden das Geld selbstverständlich aufbringen - aber nur, wenn sich herausstellt, dass Gorleben nicht geeignet ist. Das wüsste man spätestens in fünf Jahren.
Viele sind von den Zuständen im Versuchs-Endlager Asse geschockt, in das Wasser eintritt.
Man hätte das Ex-Salzbergwerk Asse nie als faktisches Endlager nutzen dürfen. Sehr ärgerlich ist auch, dass man nichts über die Probleme erfuhr. Informationen sind offenbar bei Behörden versackt.
Kein böses Omen für Gorleben?
Nein. Gorleben ist als unangetasteter Salzstock mit der Asse nicht vergleichbar.
Interview: Joachim Wille
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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