Aktuell: Fußball-EM 2016 | Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

10. August 2014

Irak IS: Serie neuer US-Luftschläge gegen IS-Miliz

Kurdische Soldaten im Kampf gegen die IS-Miliz im Nordirak.  Foto: REUTERS

Die USA setzen ihre Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat bei Erbil fort. Die ins Sindschar-Gebirge im Nordirak geflohenen Jesiden sind offenbar in Sicherheit. Die EU verurteilt Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Irak.

Drucken per Mail
Erbil. –  

Die USA haben ihre Luftangriffe gegen die IS-Terrormiliz im Irak auch am Sonntag fortgesetzt. Nach Angaben des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) führten Kampfjets und Drohnen zwischen dem frühen Morgen und frühen Nachmittag (MESZ) insgesamt fünf erfolgreiche Luftschläge aus, «um kurdische Truppen nahe Erbil zu verteidigen». In der Stadt halten sich auch US-Diplomaten und andere amerikanische Staatsbürger auf.

Am Samstag hatte sich US-Präsident Barack Obama auf einer Pressekonferenz auf keinen Zeitrahmen für die Dauer dieser Einsätze festgelegt. Sie sollen nach seinen Worten dem Schutz amerikanischer Bürger und religiöser Minderheiten vor den Dschihadisten dienen.

Kurden bitten um Waffen

Die politische Führung des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak bittet im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um Waffenlieferungen. «Wir bitten unsere Freunde, uns zu unterstützen und die notwendigen Waffen zur Verfügung zu stellen, um diese terroristischen Gruppen zu besiegen», zitiert das kurdische Nachrichtenportal Rudaw Kurdenpräsidenten Massud Barsani am Sonntag. Zugleich betonte er, dass die Verbündeten nicht für die Kurden kämpfen müssten. «Wir werden unseren eigenen Krieg führen», sagte er demnach. Frankreichs Außenminister Laurente Fabius besuchte am Sonntag Bagdad und Erbil.

EU verurteilt Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat das Vorgehen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) und die Vertreibung hunderttausender Zivilisten im Nordirak als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gebrandmarkt. "Wir verurteilen die jüngsten Angriffe des sogenannten Islamischen Staats und anderer bewaffneter Gruppen im Irak scharf", erklärte Ashton am Sonntag. Einige ihrer Taen könnten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden. Die Vorwürfte müssten schnell untersucht werden, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden könnten.

Ashton zeigte sich "bestürzt" über die "rapide Verschlechterung des humanitären Lage" im Nordirak. "Hunderttausende Zivilisten, insbesondere Angehörige von Minderheiten, sind wegen Verfolgung und Verletzung fundamentaler Menschenrechte aus den Konfliktzonen geflüchtet", erklärte Ashton. Sie rief alle Seiten dazu auf, die internationalen Menschenrechte einzuhalten und die Hilfslieferungen zu ermöglichen.

IS-Kämpfer hatten in den vergangenen Wochen weite Teile des Nordirak unter ihre Kontrolle gebracht. In der Folge waren unter anderem tausende Familien aus der Stadt Sindschar vor den IS-Milizen geflüchtet. Seit einer Woche harrten sie ohne Wasser und Nahrung in den Bergen aus. Berichten zufolge konnten inzwischen mindestens 20.000 Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden aus dem Gebirge entkommen.

Zehntausenden Jesiden gelingt die Flucht

Mindestens 20.000 der im Nordirak ins Sindschar-Gebirge geflohenen Jesiden sind offenbar in Sicherheit. Nach übereinstimmenden Angaben vom Sonntag gelangten die Angehörigen der religiösen Minderheit zunächst unbeschadet ins angrenzende Syrien und dann wieder zurück in den Irak. Tausende Familien waren vor einer Woche aus der Stadt Sindschar vor den Milizen der IS geflüchtet und harrten seitdem praktisch ohne Versorgungsgüter in den Bergen aus.

Ein Vertreter der autonomen Kurdenregierung sagte, etwa 30.000 Flüchtlinge seien von kurdischen Kämpfern wieder zurück in den Irak eskortiert worden. Die jesidische Parlamentsabgeordnete Wian Dachil bezifferte die Zahl der Geretteten mit 20.000 bis 30.000.

Kämpfer der radikalislamischen Organisation haben bei ihrem Vormarsch im Norden des Landes nach Regierungsangaben mindestens 500 Jesiden getötet. Einige Angehörige der religiösen Minderheit seien in Massengräben in und um die Stadt Sindschar lebendig begraben worden, sagte Menschenrechtsminister Mohammed Schia al-Sudani der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. Darunter seien auch Frauen und Kinder gewesen. Etwa 300 Frauen seien zudem verschleppt und versklavt worden. Dies hätten Flüchtlinge berichtet. Die radikalen Kämpfer der Sunniten-Bewegung bedrohen nach ihren Eroberungen im Nordwesten nun auch die halbautonome Kurdenregion. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Zur Unterstützung der irakischen Armee und der kurdischen Truppen haben die USA die IS-Milizen aus der Luft angegriffen. Präsident Barack Obama begründete die Einsätze auch damit, einen Völkermord an den Jesiden zu verhindern. Die IS-Extremisten bezeichnen die religiöse Minderheit als Teufelsanbeter. Sie gelten als radikaler als Al-Kaida und wollen einen Gottesstaat im Irak und in Syrien errichten. (dpa/afp/rtr)

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Fall Niels H

„Es handelt sich um keinen Einzelfall“

Von  |
Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. muss sich wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs vor dem Oldenburger Landgericht verantworten.

Der Fall Niels H. zeigt: Klinische Leichenschauen sind in Deutschland rar. Weil die Kosten dafür niemand tragen will, bezahlen die Patienten von Fall zu Fall mit ihrem Leben. Mehr...

Leitartikel

Das Ende der Volksbühne

Von Ulrich Seidler |

Theaterchef Frank Castorf soll gehen. Das ist in Ordnung. Nachfolger Chris Dercon wird das bisherige Gesamtkunstwerk verändern. Das ist schade.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung