kalaydo.de Anzeigen

Irak-Krieg: Blair wollte Saddam einfach nur loswerden

Das Geständnis des früheren Premiers Tony Blair empört viele Briten. Blair sei ein "Speichellecker", der nur George W. Bush zu Gefallen sein wollte, sagt nun auch Sir Ken MacDonald.

Wegen des Irak-Kriegs gerät Britanniens Ex-Premier Tony Blair zunehmend unter öffentlichen Druck. Jüngst protestierten Kritiker mit Masken gegen seine Politik.
Wegen des Irak-Kriegs gerät Britanniens Ex-Premier Tony Blair zunehmend unter öffentlichen Druck. Jüngst protestierten Kritiker mit Masken gegen seine Politik.
Foto: afp

London. Am Montag platzte Sir Ken MacDonald der Kragen: Der angesehene frühere Chef der britischen Strafverfolgungsbehörden ließ alle diplomatischen Gepflogenheiten fahren. Ex-Premierminister Tony Blair sei ein "Speichellecker" gewesen, polterte MacDonald ungehalten. Blair habe, um dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush zu Gefallen zu sein, das eigene Land mit "alarmierender List" irregeführt, und die Briten "in einen tödlichen Krieg hineingeredet". Washington habe Blair "den Kopf verdreht", fuhr MacDonald fort. In der Folge habe Bushs williger britischer Partner eine Invasion unterstützt, die zu "einer außenpolitischen Schande epischer Proportionen" wurde.

Den Zorn etlicher Landsleute - und vieler Parteifreunde - hatte sich Tony Blair am Wochenende zugezogen, als er in einem Fernsehinterview eine erstaunliche Aussage machte.

Er wäre, gestand Blair, auch dann in den Krieg gegen den Irak gezogen, wenn er nicht geglaubt hätte, dass Saddam Hussein sich im Besitz bedrohlicher Waffen befand: "Ich hätte es auch dann für richtig gehalten, ihn loszuwerden." In einem solchen Fall "hätte man natürlich andere Argumente über die Art der Gefahr benutzen" müssen, die Saddam für die weitere Welt darstellte.

Tatsächlich hatte Blair die Notwendigkeit einer Invasion stets mit Saddams "Massenvernichtungswaffen" begründet, die seiner Ansicht nach auch Großbritannien bedrohten. Schon im Juli 2002, acht Monate vor der Invasion, hatte der britische Generalstaatsanwalt Lord Goldsmith Blair deutlich gemacht, dass "der Wunsch nach einem Regimewechsel allein keine legale Basis für eine militärische Aktion" darstelle. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass es die betreffenden Waffen gar nicht gab, bezog sich Blair mehr und mehr darauf, dass "immerhin" die Welt "von einem Diktator befreit" worden war.

Die Mehrheit herbeigelogen

Mit "Überraschung" nahm Blairs jüngste Äußerungen Labours jetziger Verteidigungsminister Bob Ainsworth auf. Ainsworth, der 2003 einer der Fraktionschefs der Partei war und mitgeholfen hatte, eine Mehrheit für den Kriegsbeschluss im Parlament zu mobilisieren, besteht nun darauf, dass er den Irak-Krieg "nur auf der Grundlage der damaligen Argumente" unterstützt habe. Sir Menzies Campbell, zur Zeit der Invasion Chef der Liberaldemokraten, die den Krieg ablehnten, ist der Überzeugung, dass Blair mit "anderen" Argumenten "keine Mehrheit im Unterhaus bekommen hätte".

Auch Hans Blix, seinerzeit UN-Inspektionschef im Irak, ist zu dem Schluss gekommen, dass Tony Blair die nichtexistenten Waffensysteme "als nützliche Rechtfertigung" für einen schon beschlossenen Krieg heranzog. Tony Blair, so legten es mehrere Zeugen bei der gegenwärtig in London laufenden Irak-Anhörungen nahe, habe George W. Bush bereits 2002 versichert, dass er in jedem Fall an der Invasion teilnehmen werde. Blair selbst soll Anfang des nächsten Jahres als Zeuge vor dem Ausschuss auftreten.

Autor:  Von Peter Nonnenmacher
Datum:  14 | 12 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!