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08. August 2014

Irak: US-Militär bombardiert IS-Stellungen

Ein kurdischer Peschmerga-Kämpfer blickt in Richtung Kampfzone nordwestlich von Bagdad.  Foto: dpa

Das US-Militär hat mit Luftangriffen im Irak begonnen. Flugzeuge hätten Artilleriegeschütze von IS-Extremisten nahe der Stadt Erbil angegriffen, teilte Pentagonsprecher John Kirby am Freitag mit.

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Bagdad/Washington –  

Erstmals seit dem rasanten Vormarsch der Milizen des Islamischen Staates (IS) im Irak greifen die USA in die Kämpfe ein. Drei Jahre nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat bombardierten Kampfjets am Freitag im Norden Artilleriestellungen der radikalen Moslems. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums teilte mit, die Kämpfer der sunnitischen Gruppe hätten zuvor kurdische Peschmerga-Milizen beschossen, die die Hauptstadt der ölreichen Region Erbil verteidigen. Die britische Regierung forderte ihre Landsleute auf, die Stadt und die Region zu verlassen, in der viele westliche Ölfirmen tätig sind. Die US-Luftwaffe warf Versorgungsgüter in der Nähe des Berges Sindschar ab, wohin zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden geflüchtet sind. Sie werden von den IS-Kämpfern mit dem Tod bedroht.

US-Präsident Barack Obama hatte in der Nacht zum Freitag vereinzelte Luftangriffe angekündigt: "Wir können vorsichtig und verantwortlich handeln, um einen potenziellen Genozid zu verhindern." Die Luftwaffe könne auch die irakische Armee und die Peschmerga dabei unterstützen, die Belagerung des Sindschar aufzubrechen. Dort hatten US-Transportflugzeuge 72 Bündel mit 8000 Essensrationen und Tausende Liter Trinkwasser abgeworfen. Mitarbeiter der US-Regierung kündigten zudem an, den militärischen Nachschub für die kurdische Regionalregierung zu beschleunigen. Auch Frankreich will Militärhilfe leisten. Obama betonte, der Einsatz von US-Bodentruppen sei nicht geplant.

Das Bundesaußenministerium begrüßte, dass die USA und andere Länder die Flüchtlinge versorgten. Entscheidend für einen Erfolg gegen IS sei eine politische Lösung. "Luftschläge alleine werden den Irak nicht befrieden", hieß es in Regierungskreisen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte Hilfen an: "Wir haben als erste Sofortmaßnahme die humanitäre Hilfe um 2,9 Millionen Euro aufgestockt." Es sei aber klar, dass das nicht reichen werde.

Ein Reuters-Fotograf hatte am Donnerstag gesehen, dass über einem Kontrollpunkt nur 45 Kilometer von Erbil entfernt die schwarze Flagge der IS gehisst worden war. Erbil ist der Sitz der kurdischen Regionalregierung, dort leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die Regierung der Kurden erklärte aber, ihre Kämpfer machten Boden gut und die "Terroristen" würden besiegt. Lokale Behörden im Kurdengebiet blockierten allerdings die Nutzung von Online-Netzwerken. Ein Behördenmitarbeiter erklärte, damit sollten Gerüchte gestoppt und Panik verhindert werden.

Berichte über Gräueltaten der IS-Kämpfer

Die IS gilt als radikaler als die Al-Kaida. Die Organisation mit ihren bis zu 20.000 Kämpfern hat ein Kalifat in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen. Die früher als Isis bekannte Bewegung hatte im Juni ihre Offensive gestartet und weite Teile des nördlichen und westlichen Irak überrannt. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Ulla Jelpke, hält sich derzeit in den Kurdengebieten auf. "Die Flüchtlinge haben mir von Gräueltaten berichtet, die man kaum beschreiben kann", teilte sie mit. "Sie haben geschildert, wie ein Ehemann vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder von den IS-Banden geköpft wurde. Frauen werden in Brautkleider gesteckt, vergewaltigt und dann den Angehörigen regelrecht vor die Füße geschmissen."
Der IS stellt die Menschen in den eroberten Gebieten vor die Wahl zu fliehen oder zu konvertieren. Andernfalls drohe ihnen der Tod. Neben den Jesiden sind auch zehntausende Christen auf der Flucht. Rund 200.000 Flüchtlinge seien in der Stadt Dohuk am Tigris eingetroffen, teilten die UN mit. Nach türkischen Angaben haben zehntausende Menschen auf türkischem Territorium Schutz gesucht.

In Bagdad verstärkte sich angesichts der IS-Erfolge der Druck auf den umstrittenen schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Das geistliche Oberhaupt der Schiiten im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, warf irakischen Politikern vor, für die Krise mitverantwortlich zu sein. Ohne den Namen zu nennen, erklärte er, Politiker, die an ihren Posten klebten, begingen einen "großen Fehler". Kritiker werfen Maliki vor, für die Krise im Irak mitverantwortlich zu sein, da er die Sunniten aus einflussreichen Ämtern gedrängt und damit für IS empfänglich gemacht habe. Auch die USA und Deutschland bekräftigten, der Irak brauche eine neue Regierung.


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Aus Angst vor einem neuen Irak-Krieg verkauften Anleger weltweit Aktien. Der Dax fiel zeitweise um 1,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Ende Oktober. Die Kriegsangst trieb auch den Ölpreis hoch. Die US-Energiekonzerne Exxon Mobil und Chevron zogen am Donnerstag ausländische Mitarbeiter im Kurdengebiet ab. Die Aktien mehrerer in der Region engagierter Unternehmen fielen am Freitag am zweiten Tag in Folge. Ein Vertreter des österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV gab jedoch eine vorläufige Entwarnung. "Alles ist unter Kontrolle", sagte ein Sprecher. OMV ist seit 2007 in Kurdistan vertreten. Auch die Lufthansa will vorerst weiter nach Erbil fliegen. Die nächste Maschine hebt am Samstag von Frankfurt ab. (reuters)

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