kalaydo.de Anzeigen

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

14. März 2013

Irak: Von Terror und Aufschwung

Seit Beginn der US-geführten "Operation Iraqi Freedom" vor zehn Jahren sind im Irak zehntausende Menschen der Gewalt zum Opfer gefallen.  Foto: dpa

Viele Iraker fliehen vor Anschlägen aus Bagdad ins Kurdengebiet. Der Norden des Landes boomt.

Drucken per Mail

Viele Iraker fliehen vor Anschlägen aus Bagdad ins Kurdengebiet. Der Norden des Landes boomt.

Billige Leuchtreklame flackert an den Fassaden im Stadtviertel Al-Wahda in Bagdad. Einst lebten hier christliche Ärzte und Ingenieure. Sie sind verschwunden. Wo früher stattliche Häuser mit gepflegten Gärten lagen, finden sich heute Büros. Nur wenige der alteingesessenen Bewohner des Innenstadt-Viertels sind noch da.

Die ersten gut situierten Bewohner verließen Al-Wahda während des Krieges gegen den Iran in den 80er-Jahren. Der Abstieg des Viertels begann mit dem Einmarsch der US-geführten Truppen vor zehn Jahren. Es folgten Jahre des Bürgerkriegs, von ethnischen Säuberungen, Kriminalität und Korruption. „Nach 2003 hat sich die Situation für Christen verschlechtert“, sagt Sarmad Matta. „Sie wurden zu einem leichten Ziel für bewaffnete Gruppen. Tausende wurden getötet, verletzt oder entführt“, erzählt der 38-jährige Christ und Ladenbesitzer. Ärzte, Ingenieure und Universitätslehrer waren unter den Hunderttausenden, die den Irak seit 2003 verlassen haben.

Protest gegen regierende Schiiten

Tausende Sunniten im Irak protestieren seit Dezember fast täglich gegen die Regierung. Besonders brisant ist die Situation in Anbar, der größten Provinz des Landes. Sie gilt als Zentrum des blutigen sunnitischen Aufstandes, der nach der Invasion der USA und anderer Länder 2003 seinen Anfang nahm.

Die Demonstranten verlangen den Rücktritt von Ministerpräsident Nuri al-Maliki und dessen mehrheitlich schiitischer Regierung. Sie werfen ihnen vor, Sunniten systematisch zu diskriminieren und zu unterdrücken. Ausgelöst hatte die neue Protestwelle die Festnahme von zehn Leibwächtern des bisherigen Finanzministers Rafai al-Essawi, eines Sunniten, der aus Anbar stammt. Anfang März erklärte Al-Essawi demonstrativ seinen Rücktritt.

Viele von ihnen flohen in die Christen-Viertel der syrischen Hauptstadt Damaskus und sind heute erneut auf der Flucht. Auch schiitische und sunnitische Muslime flüchteten ins Ausland oder suchten Zuflucht in anderen Landesteilen. Sie fürchteten die Terrororganisation Al-Kaida und die mit den neuen politischen Machthabern verbündeten Milizen.

Viele arabische Familien, die den Irak nicht verlassen wollen, lassen sich im Norden des Landes nieder, im kurdischen Autonomiegebiet. Hier ist es relativ sicher. Ein wirtschaftlicher Boom hat das Kurdengebiet zur Musterregion des Iraks gemacht. Vor allem türkische Firmen machen hier gute Geschäfte. Auch etliche ausländische Firmen, denen Bagdad wegen der Terroranschläge zu unsicher ist, haben sich hier niedergelassen. In den Hotels von Erbil kommen Iraker aus allen Landesteilen zu Kongressen oder zu Fortbildungsveranstaltungen zusammen.

Eine demokratische Kultur fehlt

Leicht fällt es den Vertriebenen nicht, sich im Kurdengebiet einzugliedern. Viele junge irakische Kurden sprechen kein Arabisch. Araber werden von den Bewohnern der Nordprovinzen oft misstrauisch beäugt. Doch der Krieg war nicht für alle eine Katastrophe. Manche haben durch den Neuanfang auch ein neues Leben in Wohlstand erreicht, vor allem durch Familienbande und Beziehungen zu Entscheidungsträgern.

Die Iraker haben auch die Entwicklung einer parlamentarischen Demokratie erlebt – zumindest auf dem Papier. Was bis heute fehlt, ist eine demokratische Kultur. Viele Politiker bekennen sich zu einem modernen Staat, auch wenn sie aus Angst vor Anschlägen hinter hohen Mauern leben.
Vor allem die politische Spaltung entlang ethnischer und religiöser Trennlinien, zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und den sunnitischen und kurdischen Minderheiten sei ein Problem, sagt al-Bolani. „Wir brauchen eine nationale Versöhnung, damit wir die Vergangenheit hinter uns lassen können“, sagt der Abgeordnete Abdelkader Taher des säkularen Iraqiya-Bündnisses. (dpa)

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Videonachrichten Politik
Politik: Spezials
Quiz
Angela Merkel

Wie gut kennen Sie sich mit Politik und unseren Politikern aus? Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe!

Meinung
Anzeige
Videonachrichten
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Fotostrecke
Hunde-Dusche: Ein Labrador-Golden-Retriever-Mischling bekommt in Deutschlands erstem Hundewaschsalon in Duisburg eine Dusche.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.