Herr Javedanfar, Sie plädieren für Sanktionen, die Irans Revolutionsgarden finanziell treffen. Wie soll das genau gehen?
Diverse Geheimdienste haben Informationen über die Unternehmen gesammelt, die den Revolutionsgarden gehören oder an denen sie beteiligt sind. Sie befinden sich vor allem in den Golfemiraten. Dazu verfügt die Regierung in Teheran über sogenannte Stiftungen, die speziell in Europa und am Golf Unternehmen besitzen. Sicherlich unterhalten auch Ali Chamenei, der Oberste Führer in Teheran, sowie eine Reihe iranischer Politiker Bankkonten in zahlreichen Ländern.
Meir Javedanfar, Iran-Experte und Leiter von Meepas, dem Nahostinstitut für wirtschaftliche und politische Analyse in Tel Aviv.
Die müssten dann beschlagnahmt werden?
Bekannt ist der Fall, bei dem das Konto des Sohns von Chamenei in Großbritannien stillgelegt wurde. Solche Dinge sind also möglich. Dort muss man ansetzen, bevor man zu harten Wirtschaftssanktionen greift.
Israel hält sich alle Optionen offen, auch die militärische. Wie wahrscheinlich ist ein Angriff oder will die Regierung nur damit drohen?
An der militärischen Option hat Israel ständig festgehalten. Premier Benjamin Netanjahu erwähnt sie immer wieder aus zwei Gründen. Zum einen will man den Iranern Druck machen, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Weil nun mal das Problem von Gesprächen ist, dass die Iraner dabei den Forderungen trotzen oder auf Zeit spielen. Die Militäroption steht dafür, dass ein solches Verhalten einen Preis hat. Und natürlich will Israel auch dem Westen verdeutlichen, dass das Potenzial zu einem Militärschlag da ist. Eine Option, die schlimmer und weitgreifender wäre als Sanktionen.
Die Militäroption ist somit eher taktisch zu verstehen?
Zum Teil ja. Über sie zu reden, lenkt natürlich auch vom Thema Nahost-Friedensprozess und Siedlungspolitik ab, was der israelischen Regierung als Nebeneffekt durchaus willkommen ist.
Dennoch, die Spannungen an der israelischen Nordgrenze wachsen. Auch Gaza ist nicht gerade ruhig. Könnte das auf einen Stellvertreterkrieg mit Hamas und Hisbollah als verlängertem Arm des Irans hinauslaufen?
Das wäre nicht im israelischen Interesse. Allerdings könnte der Iran versuchen, Hisbollah und Hamas als Bauernopfer zu benutzen: sie zu Angriffen aufzustacheln, um Israel zu zermürben, und um Armeekräfte zu binden, die für einen Angriff auf iranische Atomanlagen nötig wären. Das ist eine Möglichkeit. Aber ich denke, damit würden die Iraner einen großen Fehler begehen.
Interview: Inge Günther
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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