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Iran-Ikone: Neda gibt dem Leiden einen Namen

Der öffentliche Tod der Studentin Neda wird zum Sinnbild der Proteste. "Ich bin Neda", skandieren die Demonstranten. Die Brutalität des iranischen Regimes hat nun ein Gesicht. Von Martin Gehlen

Nict nur Tausende Benutzer haben ihre Internet-Profil-Bilder im Gedenken an die getötete junge Frau geändert. Ich bin Neda oder Für immer Neda steht nun dort, wo bisher ihre eigenen Fotos zu sehen waren.
Nict nur Tausende Benutzer haben ihre Internet-Profil-Bilder im Gedenken an die getötete junge Frau geändert. "Ich bin Neda" oder "Für immer Neda" steht nun dort, wo bisher ihre eigenen Fotos zu sehen waren.
Foto: AFP

Neda, die Welt weint, als sie Deine letzten Atemzüge sah", heißt es seit dem Wochenende in tausenden von Botschaften auf Twitter. "Sie haben Neda getötet, aber nicht ihre Stimme", schreiben andere. Neda heißt Stimme auf persisch. "Neda ist unser aller Schwester, unser aller Tochter, unser aller Ruf nach Freiheit", heißt es in einem Tweet aus Teheran.

Tausende Benutzer haben ihre Profil-Bilder im Gedenken an die getötete junge Frau geändert. "Ich bin Neda" oder "Für immer Neda" steht nun dort, wo bisher ihre eigenen Fotos zu sehen waren. Andere Icons zeigen unter dem Namen Neda ein gebrochenes Herz in der Protestfarbe Grün.

Seit Samstag hat die Brutalität des iranischen Regimes ein Gesicht und das Leiden des Volkes einen Namen: Neda Soltani, 27 Jahre alt, Studentin der Philosophie. Sie wurde am Samstag kurz nach 19 Uhr getötet - offenbar durch die Kugel eines Scharfschützen der Bassidsch-Milizen auf dem Karekar-Boulevard in der iranischen Hauptstadt Teheran.

Auch auf den Straßen im Iran rufen jetzt die Demonstranten "Ich bin Neda". Ihre Unterstützer in New York und Los Angeles trugen am Sonntag bereits Poster mit dem blutüberströmten Gesicht des Mädchens durch die Straßen. Eine neue Facebook-Gruppe betrauert sie als "Engel des Iran".

Die Studentin wurde auf dem Teheraner Friedhof Behesht Zahra beerdigt. Eine geplante Trauerfeier am Sonntagnachmittag in der Niloofar Moschee im Stadtteil Abbas Abad war von den Behörden verboten worden - aus Angst vor den nächsten Unruhen.

Denn Nedas Schicksal ist zum Sinnbild geworden einer Rebellion des Volkes gegen sein Regime und könnte Geschichte schreiben - wie vor 30 Jahren die Bilder von erschossenen Demonstranten beim Aufstand gegen den Schah. Damals starben bei ersten Zusammenstößen im Januar 1978 zwei Menschen. Die nach schiitischer Sitte üblichen Totengedenkfeiern 40 Tage später entzündeten neue Unruhen, neue Tote und weitere Totenfeiern, die sich zu immer größeren Manifestationen gegen den Schah ausweiteten. Am Ende standen die Islamische Revolution und die Flucht des verhassten Reza Pahlevi ins Ausland.

Die schockierenden Bilder vom Tod der Studentin haben sich von Holland aus über Facebook, Youtube und Twitter über den Globus verbreitet. Der Arzt, der sie versucht hatte, sie wiederzubeleben, schrieb in einer Mail an eine Familie in Holland: "Der Film wurde von meinem Freund aufgenommen, der neben mir stand. Bitte, lasst es die Welt wissen."

Allerdings widersprechen sich einige Informationen über Neda. So gibt es unterschiedliche Angaben zu ihrem Alter und darüber, wer auf dem Video neben ihr zu sehen ist. Die einen sagen, es sei ihr Vater, andere meinen, es sei ihr Professor. Ein Restzweifel bleibt.

Autor:  MARTIN GEHLEN
Datum:  22 | 6 | 2009
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